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Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
© 20th Century Fox

Kritik: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In drei Blockbustern hat Riggan Thomson (Michael Keaton) den Superhelden "Birdman" gespielt – dreimal ist er in das Kostüm geschlüpft und hat den Weg für die Iron-Mans und Avengers der Gegenwart bereitet. Allerdings sind seither 20 Jahre vergangen, sein Ruhm ist verblasst, die Gage verprasst und nun sucht er am New Yorker Broadway mit einem selbstgeschriebenen Stück nach Kurzgeschichten von Raymond Carver einen Neuanfang. Aber Selbstzweifel und Schwierigkeiten bei der Produktion stehen ihm Weg: Co-Hauptdarsteller Mike Shiner (Edward Norton) ist unberechenbar, die Theaterkritikerin Tabitha Dickinson (Lindey Duncan) hasst Hollywoodstars am Broadway und selbst seine Tochter Sam (Emma Stone), die nach einem Entzug bei ihm als Assistentin jobbt, hält ihn für jemanden, der gewesen ist.

Alejandro González Iñárritus "Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" ist ein vor Kreativität sprühender Film, der seine Grundidee gnadenlos ernst nimmt und sich völlig der Wahrnehmung der Hauptfigur ausliefert. Skandiert vom unermüdlichen Trommeln eines gelegentlich im Bild zu sehenden Schlagzeugers folgt die beeindruckende Kamera von Emmanuel Lubezki dem rastlosen Riggan durch die labyrinthischen Gänge des Theaters und der benachbarten Straßenzüge – und werden die Proben ebenso ernst genommen wie die Auftritte von Riggans gefiedertem Alter Ego, der ihn ermuntert, durch die Straßen New Yorks zu fliegen. Fast ohne sichtbaren Schnitt gehen Tageszeiten und Szenen ineinander über, so dass der Film in einem mitreißenden Strom erzählt wird. Die durchweg guten Schauspieler liefern sich pointierte, witzige Dialoge, die bisweilen voller ironisch gebrochener Plattitüden stecken.

Ohnehin steckt dieser Film voller bemerkenswerter Details– allein die Hauptrolle mit Batman-Darsteller Michael Keaton zu besetzen, ist ein großartiger ironischer Seitenhieb, darüber hinaus nutzt Alejandro González Iñárritu die Filmographie und Images seiner Schauspieler, um eine Meta-Ebene zu kreieren und das Spiel zwischen Fiktion und Realität fortzusetzen, das sein Film konsequent beibehält und auf verschiedenste Weise durchführt. Die Inszenierung erinnert ein Theater, zugleich erzählt der Film von der Entstehung eines Theaterstücks; die Schauspieler studieren ein Beziehungsdrama ein, während sich hinter der Bühne zwischen ihnen ebenfalls Affäre und Trennungen abspielen; und letztlich glaubt auch Riggan, dass etwas von Birdman in ihm steckt. Der Titel des inszenierten Stücks ist "What We Talk About When We Talk About Love" und ständig reden alle über die Liebe, verwechseln sie aber allzu oft mit Bewunderung, ohne dass es ihnen auffällt, und zugleich verhandelt der Film die Frage, was Bewunderung eigentlich ausmacht – gute Kritiken, verkaufte Karten oder Follower in Sozialen Medien. Dadurch verhandelt Alejandro González Iñárritu fast nebenbei Fragen zu Liebe und Bewunderung, wahre Kunst und reproduzierbaren Kommerz und die Rolle sozialer Medien in der heutigen Kunstwelt. Einfache Antworten sollte man indes nicht erwarten. Denn "Birdman" macht vor allem deutlich, dass vieles einfach eine Frage der Wahrnehmung ist.

Fazit: "Birdman" ist Film voller Kreativität mit einer beeindruckenden Kameraarbeit, atemlosen Soundtrack und sehr guter Besetzung.




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