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Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn
Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn
© Studiocanal

Kritik: Victor Frankenstein - Genie und Wahnsinn (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Mittelpunkt dieser Neuverfilmung des klassischen Stoffs nach der Romanvorlage von Mary Shelley steht nicht das Monster Frankensteins, sondern der Urheber dieser schaurig-verwegenen Schöpfung. Der schottische Regisseur Paul McGuigan taucht in die gottesfürchtige Düsternis des Viktorianischen Zeitalters ein, greift aber auch die Fortschrittsgläubigkeit der Industriellen Revolution auf. Die Zukunft scheint den Maschinen zu gehören – wohl auch deshalb hält es der Forscher Victor Frankenstein für möglich, ein Lebewesen aus toten Organen und Gliedern zu bauen und mittels Stromschlag in Gang zu setzen, ähnlich einer Uhr, die nach dem Aufziehen zu ticken beginnt.

Das Besondere an dieser filmischen Variante ist die Freundschaft Victors zu seinem Assistenten Igor, einem Charakter, der als der Bucklige erstmals in James Whales Verfilmung von 1931 auftaucht und dann in Mel Brooks' Komödie "Young Frankenstein" diesen Namen bekommt. Hier ist nun Igor ebenfalls eine Schöpfung Frankensteins: Ihm allein hat es der versklavte Zirkusclown zu verdanken, dass er nicht mehr missgestaltet herumlaufen muss, sondern gute Kleider trägt, ein freier Mann ist und Zugang zu Büchern und Forschungsgeräten bekommt. Daniel Radcliffes beste Momente sind, wenn sich Igor einfach unbändig freut und damit zeigt, dass seine Seele intakt geblieben ist. Das trifft auf Frankenstein nicht zu. James McAvoy spielt ihn als hyperaktiven, fiebrig getriebenen Menschen mit stechendem Blick. Indem er Frankenstein ein Trauma andichtet, mildert der Film allerdings das reizvolle Thema des bedrohlichen Forschergeists allzu banal wieder ab. Mit dem Inspektor bekommt Frankenstein einen interessanten Antagonisten, der selbst zum Besessenen wird beim Versuch, das Teuflische im Keim zu ersticken.

Mehr aber noch als die Vertiefung der Charaktere interessiert die Inszenierung die schaurige Atmosphäre. Das graue London, das einsame Schloss an der schottischen Küste bilden detailliert ausgemalte Kulissen für das gottlose Treiben Frankensteins. Menschlicher Forscherdrang und Größenwahn liegen hier auch deswegen so nah beieinander, weil sich die Epoche wie ihr Inspektor vor dem Verlust der Werte fürchtet. Das tierische und das menschliche Monster, aber auch der brutale Umgang der Schöpfer mit diesen Kreaturen stehen im Zentrum etlicher Actionszenen. Der Versuch, die altehrwürdige Geschichte mit Tempo und dicken Pinselstrichen aufzumotzen, wirkt jedoch, analog zum Monster, selbst ziemlich künstlich.

Fazit: Schaurige Experimente mit der Kreatur prägen die morbide Stimmung in der Neuverfilmung des Klassikers, in der ein junger Mann seinen Retter und Freund Victor Frankenstein vor dem Wahnsinn zu bewahren versucht. Daniel Radcliffe und James McAvoy spielen das ungleiche Gespann, das ein immenser Forscherdrang verbindet, reizvoll, aber das Wesen der Geschichte wird vom Kurzschluss mit modernem, actionreichem Tempo nicht optimal wiederbelebt.





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