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Drei Stunden
Drei Stunden
© NFP marketing & distribution © Kaissar Film

Kritik: Drei Stunden (2012)


Eine romantische Liebeskomödie, dazu noch mit politisch korrekten Protagonisten. Boris Kunz versucht mit seinem Langfilmdebüt "Drei Stunden" ebendies zu liefern. Die Story verspricht so einiges:

Martin (Nicholas Reinke) ist ein kompromissloser Träumer und hat ein Drehbuch zu einem Theaterstück geschrieben, in dem es um Luftschlösser, fliegende Piraten und eine mutige Prinzessin geht. Die Kapitalismuskritik schwingt in jedem Satz mit. Durch Zufall trifft er Isabel (Claudia Eisinger), die sich im permanenten Kampf gegen die Gen-Tech Industrie befindet und dafür ständig um den Globus reist. Nach anfänglichen Reibereien entsteht zwischen beiden eine innige Freundschaft, zumindest suggerieren das etliche Rückblenden.
Die Filmhandlung setzt dann richtig ein, als sich beide bei der Hochzeit Isabels spießiger Schwester mit ihrem noch spießigerem Mann etwas näher kommen. Natürlich erhält Isabel just in diesem Moment einen Anruf, dass sie am nächsten Morgen für drei Jahre nach Mali fliegen muss, um mal wieder gegen die Gen-Tech Mafia zu kämpfen.
Nun beginnt ein gegenseitiges Liebegestehen, allerdings immer wechselseitig, so dass beide nie auf einen Nenner kommen. Melodramatisch wird es unter anderem, wenn Isabel auf der Suche nach Martin vor dem gesamten Theaterensemble erzählt, dass Martin ihr seine Liebe gestanden hat. Da dürfen dann alle ihren Senf dazu geben, inklusive dem Taxifahrer, der sie den ganzen Tag durch die Stadt fährt. Letztlich lassen dann alle die Generalprobe für Martins Theaterstück sausen, um diesen in München zu suchen.
Gerade der Vater Isabels verkörpert den typischen konservativen Bayern, der sich so gar nicht für das Engagement seiner Tochter begeistern kann, letztlich aber natürlich auch bekehrt wird. Das mittlerweile obligatorische schwule Pärchen darf in einer Nebenrolle selbstverständlich auch nicht fehlen und gelegentlich mit etwas tuntigen Kommentaren aufwarten.
Schließlich finden sich beide, gestehen sich ihre Liebe und dann wieder nicht und dann wieder doch und am Ende gibt’s ein theatralisches Happy End.

Das wäre dann auch schon die Story, aus der man sicher einen guten Film hätte drehen können. Allerdings nerven die aufgesetzten, hölzernen Dialoge auf die Dauer und, man entschuldige die Ausdrucksweise, laden in ihrer Idiotie teilweise zum Fremdschämen ein. Eine lockere Natürlichkeit mit witzigem, intelligentem Humor sucht man leider vergebens. Und so zieht sich der Film mit viel Klamauk dahin und selbst die Zwiegespräche mit Gott, die Martin gelegentlich führt, fallen allenfalls pseudophilosophisch aus. Ein Stern am Himmel des deutschen Films ist hiermit leider nicht aufgegangen.

Fazit: Boris Kunz ist es mit seinem Langfilmdebüt "Drei Stunden" trotz einer potentiell guten Story nicht gelungen, eine amüsante, witzige Komödie zu produzieren. Die aufgesetzten und unnatürlich anmutenden Dialoge nehmen dem Film bedauerlicherweise jede Lockerheit.





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