VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Pioneer (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Pioneer" erzählt Regisseur Erik Skjoldbjærg eine wahre Begebenheit und ein dunkles Kapitel in Norwegens Bodenschatzgeschichte. Alle Einzelheiten sind bis heute nicht geklärt. sondern erst im Dezember 2013 bestätigte der Europäische Gerichtshof bei der Klage von Angehörigen der gestorbenen Öl-Taucher, dass es bei den Tauchgängen mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen gab.

In seinem Film schlägt sich Erik Skjoldbjærg nun auf die Seite der Taucher und ihrer Angehörigen, um im Stil klassischer Politthriller eine Verschwörungsgeschichte zu erzählen. Protagonist Petter hat seinen Bruder bei dem tödlichen Tauchgang begleitet, jedoch kurz das Bewusstsein verloren – und dann festgestellt, dass sein Bruder tot ist. Getrieben von Schuldgefühlen und Vermutungen will er herausfinden, was auf dem Meeresboden passiert ist. Also beginnt er mit seinen Nachforschungen, spricht mit Wissenschaftlern und Tauchkollegen und deckt dabei nach und nach Widersprüche auf. Dabei kommt er inmitten von Vertuschungen, Korruption und Rivalitäten dem eigentlichen Problem sehr nahe: Obwohl sich das Ölfeld direkt vor der Küste Norwegens befindet, kommen die Norweger nicht ohne Hilfe der Amerikaner an das Öl. Die Amerikaner wissen das – und nutzen diesen Vorteil gewieft aus.

Geschickt streut Erik Skjoldbjærg Zweifel an Petter ein, immer wieder hat er Aussetzer und Flashbacks, so dass es auch möglich wäre, dass Petter seine eigene Schuld verschleiern will und deshalb die Falschen verdächtigt. Jedoch verheddert sich Erik Skjoldbjærg hier mitunter in seinen vielen Fährten, durchsichtigen Wendungen und Details, so dass "Pioneer" im Gegensatz zu seinem großartigen Thriller "Insomnia - Schlaflos" gelegentlich zu sehr mäandert. Dadurch ist das Tempo nicht immer stimmig, auch ist bisweilen nicht ersichtlich, wohin der Film steuert – und damit wird nicht Vielschichtigkeit, sondern Verwirrung erzeugt. Auch bleiben die Charaktere allzu blass: Einzig Petter darf Widersprüche zeigen, die anderen Figuren verhalten sich entsprechend der Erwartungen der Zuschauer.

Insbesondere dank der eindrucksvollen Unterwasseraufnahmen weiß "Pioneer" aber dennoch zu unterhalten und zu faszinieren: Die Welt der Taucher ist bereits über dem Wasser von eigenen Regeln und Riten bestimmt, Unterwasser erinnert sie an Bilder ferner Planeten, atmosphärisch sehr stimmig mit den Klängen der französischen Band AIR unterlegt. Das ist angesichts des zu erkennenden Bestrebens nach einem stimmigen und brisanten Politthriller über ein wichtiges Thema aber etwas zu wenig.

Fazit: Erik Skjoldbjærg erzählt mit einem konventionellen Plot und eindrucksvollen Bildern von einem dunklen und bis heute nicht gänzlich aufklärten Kapitel in Norwegens jüngerer Vergangenheit.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.