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Die Alpen - Unsere Berge von Oben
Die Alpen - Unsere Berge von Oben
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Die Alpen - Unsere Berge von Oben (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Bereits 2012 lieferte der erfahrene Dokumentarfilmer Peter Bardehle in "Die Nordsee von oben" teilweise spektakuläre Bilder eines heimischen Landschaftsstreifens, die mit der derzeit modernsten Helikopterkamera der Welt gedreht wurden. Auch bei "Die Alpen – Unsere Berge von oben", den Bardehle zusammen mit Sebastian Lindemann verantwortet hat, kommt die so genannte Cineflex-Kamera zum Einsatz und bietet einmal mehr faszinierende Einblicke, lassen sich mit ihr doch selbst aus tausend Metern Höhe wackelfreie Zooms zum Boden machen. Wie nicht anders zu erwarten, ist es vor allem die verwendete Technik, die die Alpendokumentation zu einem visuellen Erlebnis macht.

Gleich zu Beginn fangen kreisend-dynamische Kameraaufnahmen die Gipfel der Berge aus schwindelerregender Höhe ein. Die größtmögliche Distanz als treffender Einstieg in einen Bilderreigen, der sich freilich nicht damit begnügt, nur die majestätische Ausstrahlung der Gesteinsriesen abzufilmen. Im Gegenteil, nach einem kurzen historischen Überblick zeigt sich sehr schnell, dass Bardehle und Lindemann vor allem an der Vielfalt der Alpenwelt, der scheinbar unbegrenzten Anzahl unterschiedlicher Motive interessiert sind. Auf die anmutigen Ansichten folgt die Auseinandersetzung mit den Gefahren, die das Streben des Menschen für die Bergregionen mit sich bringt. Seit der Engländer Thomas Cook die Alpen als Erholungsparadies entdeckte, grub sich der massive Zustrom an Touristen immer deutlicher in das Landschaftsbild ein. Skipisten in weit entlegenen Regionen, Straßen, die sich den Berg hinaufwinden, gigantische Stauseen zur Deckung des Energiebedarfs – dies sind nur einige der Eingriffe, die den natürlichen Raum vor immer neue Belastungsproben stellen.

Doch nicht nur der Mensch bedroht das Fortbestehen dieses einzigartigen Gebirges. Auch der Klimawandel rückt den überlebenswichtigen Gletschern zu Leibe, lässt sie zunehmend schmelzen und könnte das ohnehin wackelige Gleichgewicht schon bald in eine ernste Schieflage bringen. Vom Wasser, so weiß der von Schauspieler Udo Wachtveitl eingesprochene Kommentar zu berichten, hängt die Zukunft der Alpen ab.

Ebenso spannend präsentiert sich die Passage, in der die Filmemacher die Spuren in den Blick nehmen, die der Erste Weltkrieg in den Bergkämmen hinterlassen hat. Pfade, die tausende von Soldaten in den Tod geführt haben, und der Hinweis, dass dort noch immer Munitionsreste zu finden sind, sorgen für ein Gefühl der Beklemmung, wird dem Zuschauer hier doch bewusst, auf welch unterschiedliche Weise man sich dem vermeintlich vertrauten Alpenraum nähern kann. Gleichzeitig unterstreicht eben jener Komplex aber auch die größte Schwäche der Dokumentation. So viel wie möglich soll die Helikopterkamera erfassen und kann daher an den einzelnen Schauplätzen zumeist nicht lange verweilen. Gerne hätte man mehr über die Hintergründe der kriegerischen Auseinandersetzungen erfahren, doch das Konzept des Films steht dem entgegen. Eher enttäuschend gestaltet sich auch der Abschnitt, der sich mit der wohl nicht zu vermeidenden Frage beschäftigt, warum es den Menschen immer wieder in die unwirtlichen Höhen der Berge zieht. Überwindungskampf und Selbstbestätigung werden hier thematisiert, ohne dass der bisweilen recht bedeutungsschwangere Sprechertext über altbekannte Einsichten hinauskäme.

Fazit: Dank der modernsten Helikopterkamera der Welt kann "Die Alpen – Unsere Berge von oben" mit einer Reihe atemberaubender Landschaftsbilder aufwarten. Obwohl einige spannende Einsichten zur vielgestaltigen Gebirgswelt im Herzen Europas gelingen, wirkt die Dokumentation insgesamt zu weitschweifig. Bleibt doch einmal Zeit für eine eingehende Reflexion, begnügt sich der Sprechertext in den meisten Fällen leider mit wenig erhellenden Plattitüden.





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