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Die geliebten Schwestern
Die geliebten Schwestern
© Senator Film

Kritik: Die geliebten Schwestern (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dominik Grafs historisches Drama "Die geliebten Schwestern" ist eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte. Allerdings musste vieles vermutet werden, da eine der beiden Schwestern sich später daran gemacht hatte, alle Zeugnisse dieser ungewöhnlichen ménage a trois zu vernichten. Das verwundert nicht, schließlich ist dies eine Beziehungskonstellation, die noch in unserer heutigen Zeit als äußerst gewagt und schwierig erscheinen würde. Im konkreten historischen Kontext des klassischen Weimars zu Goethes Zeit offenbart sich anhand dieser Beziehung, dass sowohl Schiller, als auch die beiden ihn liebenden Schwestern Caroline und Charlotte Freigeister waren, die sich nicht in das ihnen aufgezwungene enge gesellschaftliche Korsett einfügen wollten. Somit ist der Film über den historischen Aspekt hinaus in zweierlei Hinsicht äußerst interessant. Zum einen ist dies ein Film über die Möglichkeit einer unmöglich erscheinenden Liebe. Darüber hinaus ist "Die geliebten Schwestern" aber auch ein Plädoyer für mehr Mut zu individueller Selbstverwirklichung jenseits gesellschaftlicher Konventionen.

Doch in erster Linie ist dies ein Charakterdrama, das sehr gut funktioniert, da sämtliche Schauspieler überzeugen. Nebenher ist dies jedoch auch Dominik Grafs erster abendfüllender Kinofilm seit acht Jahren. Da stellt sich natürlich die Frage, in wieweit der insbesondere für seine gelungenen TV-Arbeiten, wie die Miniserie "Im Angesicht des Verbrechens" (2010), bekannte Regisseur auch auf der großen Leinwand überzeugen kann. Tatsächlich ist dies ein visuell sehr gelungener Film, der über seine idyllischen Bilder des sommerlichen Weimars hinaus immer wieder kleine inszenatorische Perlen, wie die Nahaufnahmen des donnernden Rheinfalls von Schaffhausen zu bieten hat. Doch solche stilisierten Einstellungen sind viel zu selten, als dass "Die geliebten Schwestern" sich klar als ein für die große Leinwand gemachter Film qualifizieren würde. Zu diesem Eindruck trägt auch die Tatsache bei, dass der Film mit seiner fast dreistündigen Laufzeit für einen prinzipiell recht "kleinen" Kinofilm eindeutig zu lang geraten ist. Es scheint so, als hätte man hier von vornherein zu sehr auf eine mögliche spätere Zweitauswertung als TV-Zweiteiler geschielt. Als ein solcher ist der Film auf jeden Fall hervorragend geeignet.

Fazit: Dominik Grafs "Die geliebten Schwestern" überzeugt vollkommen als ein Charakterdrama, aber nur bedingt als ein Film für die große Leinwand.




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