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Ich bin das Glück dieser Erde
Ich bin das Glück dieser Erde
© Pro Fun Media

Kritik: Ich bin das Glück dieser Erde (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der 42-jährige, mexikanische Regisseur Julián Hernández ist einer der erfolgreichsten Vertreter des Gay Cinema seiner Generation, der für seine Filme u.a. bereits mehrfach mit dem Teddy-Award bei der Berlinale für herausragende Werke mit schwul-lesbischem Hintergrund ausgezeichnet wurde. "Ich bin das Glück dieser Erde" ist sein neuester Film, bei dem Hernández wieder seinen beiden großen Leidenschaften frönen kann: einer hochästhetischen, edlen Bildsprache und der stylischen Präsentation perfekter (männlicher) Körper. Am Ende ist der Film leider ebenso bedeutungsschwanger und schwülstig wie sein pathetischer Titel. Optisch ist der Film eine Offenbarung, inhaltlich hingegen jedoch nichts weiter als eine voyeuristische, oberflächliche Fleichbeschau ohne Tiefgang und Spannung.

"Ich bin das Glück dieser Erde" wird bestimmt von ausladenden, auf Dauer nervtötenden 360-Grad-Kamerafahrten, die scheinbar nur einem Ziel dienen sollen: die hübsch anzusehenden, knackigen Körper der jungen Menschen (vornehmlich Männer) ins rechte Licht zu rücken. Dabei findet Regisseur Hernández zu einer matten, formvollendeten Hochglanz-Bildsprache, die die vielen erotischen Szenen und Sex-Sequenzen ausgiebig präsentiert. Ästheten und Freunde stilvoller, behutsam durchkomponierter Bilder kommen hier in jedem Fall auf ihre Kosten. Dabei benötigt der Film nicht viele Dialoge, die harmonische Musik dient hier viel häufiger als Transporter für Stimmungen und Eindrücke. Außerdem ein wesentliches Merkmal von Hernández: ellenlange Kameraeinstellungen und wenige Schnitte, die den Fluss des Filmes nicht unterbrechen sondern stattdessen dem hohen künstlerischen Anspruch des Filmemachers Rechnung tragen sollen.

Was der Film auf der visuellen Ebene bietet, lässt er jedoch inhaltlich vermissen. Weder kommen die Figuren besonders tiefschürfend oder komplex daher, noch kann der Film dramaturgisch überzeugen. Die Handlung dümpelt belanglos vor sich hin, während Emiliano die Partner wechselt wie andere Menschen ihre Unterhosen. Und so treibt er es kunterbunt mit so ziemlich allem und jedem was ihm über den Weg läuft, mal mit einer Frau, mal mit einem Mann, gerne auch unterschiedliche Dreier in den verschiedensten Variationen. Wer da noch den Überblick behält, dem gebührt Respekt. Genauso wie die sexuelle Orientierung von Emiliano zum keinem Zeitpunkt des Films klar ist, bleibt im Dunkeln, was der Regisseur mit seiner wohlgestalteten Fleischbeschau und lustvollen Präsentation gelackter, glänzender Jünglings-Körper überhaupt sagen will.

Fazit: Harmonisch präsentierte, exakt ausgearbeitete Bildkompositionen stehen einer inhaltsleeren Story mit blassen Charakteren gegenüber.





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