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Midnight Special
Midnight Special
© Warner Bros.

Kritik: Midnight Special (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Es gibt Filme die so kurzweilig sind, dass man sich selbst nach über drei Stunden wundert, dass sie vorbei sind. Und es gibt Filme, bei denen man schon nach kaum mehr als einer Stunde das Gefühl hat, bereits ewig im Kino zu sitzen.

"Midnight Special", der seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2016 erlebte, zählt zu den letzteren – leider, denn eigentlich macht Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols in seinem vierten Spielfilm (nach "Mud - Kein Ausweg", "Shotgun Stories" und "Take Shelter – Ein Sturm zieht auf") durchaus vieles richtig. Mit Michael Shannon, Joel Edgerton, Jaden Lieberher, Adam Driver und Kirsten Dunst hat er einen insgesamt recht guten Cast zusammengestellt, der alles in allem auch solide Arbeit abliefert. Die Bilder sind hübsch anzusehen, und auch die Story liest sich vielversprechend. Genau so wirken dann auch die ersten Szenen:

Als erstes hört man nur eine Werbung für ein Autohaus, gefolgt von einem Polizeibericht über eine Kindsentführung. Von dem Kind lieg laut Polizeibericht noch kein Foto vor, dafür aber von dem Entführer, den man jetzt eben jenen Polizeibericht in einem Motelzimmer im Fernsehen verfolgen sieht. Gemeinsam mit einem weiteren Mann und einem eine Sonnenbrille tragenden Jungen verlässt er eilig das Zimmer. Die Vertrautheit zwischen dem vermeintlichen Entführer und dem Jungen – offenbar das Entführungsopfer - deutet allerdings daraufhin, dass es hier um ganz anderes geht als um einfaches Kidnapping. Und tatsächlich erfährt man nur kurze Zeit später, dass es sich bei dem Mann – Roy – um den leiblichen Vater des vermeintlichen "Entführungsopfers" handelt.

Man wähnt sich also zunächst in einem Entführungsthriller, der sich schnell in einen Fluchtthriller, wandelt und im Folgenden noch mit allerlei SciFi-Mysteryelementen angereichert wird.

Aber genau hier beginnen dann schon die Probleme: Nicols macht den Fehler, die Geheimnisse viel zu früh zu lüften. Nach nicht mal der Hälfte des Films weiß man exakt, um was es geht. Da können die Dinge noch so übernatürlich sein: Wenn man sie erst mal gesehen hat, verlieren sie ihren Reiz. So geht den Mysteryelementen recht schnell die Luft aus.
Es bleibt also der Fluchtthriller, der wiederum viel zu langatmig inszeniert ist. Die Kamera bewegt sich nur mäßig, meist horizontal, und auch die Schnittfrequenz ist viel zu niedrig. So sind die Bilder zwar (wie oben erwähnt) hübsch anzusehen, wirken aber mehr wie einem ruhigen Drama entnommen, als einem Thriller. Und da viele Szenen in der Nacht spielen (daher der Titel), sind die Bilder zwangsläufig dunkel. Gepaart mit einer vorhersehbaren Story, die sich im Gesamtverlauf an allerlei bekannten Vorlagen orientiert, und in den Details unglaubwürdig ausgearbeitet ist, wirkt "Midnight Special" auf Dauer leider nur noch ermüdend. Schade, denn hier wäre sicher mehr drin gewesen.

Fazit: Gut besetztes, aber leider arg vorhersehbares und durch langsame Inszenierung auf Dauer ermüdendes SciFi-Mysterythrillerdrama mit einigen Drehbuchschnitzern.




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