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Die Gärtnerin von Versailles
Die Gärtnerin von Versailles
© Tobis Film

Kritik: Die Gärtnerin von Versailles (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das romantische Drama, das im 17. Jahrhundert am Hof des französischen Sonnenkönigs spielt, ist die zweite Kino-Regiearbeit von Alan Rickman. Der britische Schauspieler, der darin auch die Rolle Ludwigs XIV. übernimmt, inszeniert eine stilvolle Geschichte, die sich zum Teil an historischen Tatsachen orientiert, zum Teil aber auch frei erfunden ist. Im Barockgarten von Versailles gibt es tatsächlich das Ballsaal-Boskett mit seinen Terrassen und Wasserkaskaden, von dessen Entstehung der Film erzählt. Rein fiktiv ist hingegen die Figur der Gärtnerin Sabine De Barra, die vor diesem historischen Hintergrund wie eine berufstätige, moderne Frau auf Zeitreise wirkt.

Sabine De Barra entwirft Architektenpläne, schlägt eigenhändig Holzpflöcke ein, macht sich Gedanken über Wasserrecycling und hält dem König eine Predigt über den Respekt, der einer Rose, sprich Frau, gebührt. Kein Wunder, dass diese unerschrockene und talentierte Person vom Hofstaat, darunter der fidele Herzog von Orléans (Stanley Tucci) und die königliche Mätresse, Madame De Montespan (Jennifer Ehle), voller Neugier begrüßt wird. Kate Winslet steht die Rolle der tatkräftigen, gefühlvollen Gärtnerin, die ein halb verdrängter Schicksalsschlag schwer belastet, sehr gut. Am interessantesten aber wirkt die Geschichte anfangs, als es noch mehr um André geht: Dieser vom Belgier Matthias Schoenaerts hervorragend gespielte Charakter absolviert die größte emotionale Entwicklung. Er wirkt gedrückt, nach innen gekehrt und in einer ständigen, bitteren Auseinandersetzung mit sich selbst, während er seine Gefühle für Sabine gegen seine angestammten Überzeugungen und Moralbegriffe abwägt.

Leider aber driftet die Geschichte in seichteres Fahrwasser und sucht immer mehr Bilder für Sabines Triumphzug am Königshof. Diese Unentschiedenheit, worum es hier wirklich gehen soll, schadet der Dramaturgie, denn so werden weder die Liebesgeschichte, noch die Probleme beim Gartenbau oder die Intrigen am Hof tiefergehend behandelt. So bleibt der Film ein eher flüchtiges Vergnügen, mit seinen stilvollen Kulissen, den historischen Kostümen und der ausgefeilten Hofetikette. Für Wohlfühlatmosphäre sorgt außer dem beliebten Thema Garten auch die gewählte Sprache. Besonders raffiniert sind die Dialoge von Sabine und André. Alles in allem wirkt der Film optisch ansprechend und auch stimmungsvoll, aber inhaltlich nicht ganz ausgereift.

Fazit: Das romantische Drama erzählt die fiktive Geschichte einer emanzipierten, berufstätigen Frau in den Diensten von König Ludwig XIV. Die von Kate Winslet gespielte Titelfigur scheint aus der Gegenwart ins 17. Jahrhundert versetzt, um den Hofstaat ganz schön alt aussehen zu lassen. Der Film verfügt über Wohlfühlatmosphäre und visuelle Reize, kann sich inhaltlich aber nicht für einen klaren Kurs entscheiden.




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