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Le Passé - Das Vergangene -
Le Passé - Das Vergangene -
© Carole Bethuel

Kritik: Le Passé - Das Vergangene (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Vergangenheit lässt sich nicht ignorieren, so sehr man es auch versucht. Diese bittere Erkenntnis steht im Mittelpunkt von Asghar Farhadis Drama "Le passé". Der Film beginnt mit einer Rückkehr: Marie (Bérénice Bejo) steht am Flughafen in Paris und wartet auf ihren Ehemann Ahmad (Ali Mosaffa). Sie haben sich vor vier Jahren getrennt, nun ist er auf ihre Bitte hin zum Scheidungstermin noch einmal nach Frankreich gereist. Am Flughafen trennt sie nur eine Glasscheibe und erschwert ihre Kommunikation, doch schon bald ist offensichtlich, dass vor allem ihre Vergangenheit zwischen ihnen steht. Fast von der ersten Minute an reagieren sie aufeinander wie ein Paar, das weiß, wie es einander wütend machen kann. Sie streiten und belehren sich, sind aber auch sehr aufmerksam zueinander.

Nach und nach erfährt Ahmad dann mehr über Maries neues Leben. Sie lebt mit Samir (Tahar Rahim, "Ein Prophet") und dessen kleinem Sohn Fouad (Elyes Aguis) sowie ihren Töchtern Léa (Jeanne Jestin) und Lucie (Pauline Burlet) in einem Haus und will Samir heiraten. Doch Lucie lehnt ihren neuen Mann ab, deshalb soll Ahmad mit ihr reden. Tatsächlich findet er einen Zugang zu ihr und stößt dadurch immer weiter in das Innere dieser Beziehungen vor. Er ist wie ein Katalysator, der die Menschen um sich herum zum Reden bringt. Ihm gegenüber können sie sich öffnen, Wahrheiten und Meinungen endlich aussprechen. Denn im Gegensatz zu beispielsweise Marie, die impulsiv reagiert und auch Dinge sagt, die andere verletzten, agiert Ahmad sehr überlegt. Er hört aufmerksam zu, argumentiert sehr rational und einfach. Auf diese Weise kann selbst Samirs kleiner Sohn seine Ängste ausdrücken, da Ahmad nicht versucht, ihn zu beeinflussen.

Ahmad setzt eine Entwicklung in Gang, die der Film unterstützt: Von Ahmad verlagert sich die Aufmerksamkeit zunächst auf Lucie und schließlich auf Samir, während Marie diese Menschen und Geschichten verbindet. Dabei wird insbesondere deutlich, wie sehr die Kinder unter der Situation leiden. Samirs Sohn Fouad ist so offensichtlich mit der Situation überfordert, dass es einem fast das Herz zerbricht. Zugleich ist aber zu verstehen, warum Marie und Samir dieses Leid anfangs nicht sehen können, warum sie zu sehr mit sich selbst verstrickt sind, obwohl sie es doch gut machen wollen. Lucies Schmerz offenbart sich im Laufe des Films, ist sie anfangs zornig und rebellisch, bricht nach und nach ihre ganze Verzweiflung aus ihr heraus.

In diesen kleinen Dramen liegt ein großer Teil der emotionalen Wucht begründet, mit der einen dieser Film mitunter trifft. Sicherlich erinnert "Le passé" sehr an Asghar Farhadis vorherigen Film "Nader & Simin – Eine Trennung". In beiden Werken geht es um Beziehungen und um Trennungen, beide Male konzentriert er sich auf die innere Geschichte, und die Figuren sind gefangen in vergangenen Entscheidungen, Sehnsüchten und Abhängigkeiten. Jedoch unterscheidet sich "Le passé" im Handlungsort – Frankreich anstatt dem Iran –, außerdem ist seine Geschichte noch universeller und könnte in jeder Familie spielen.

Über weite Strecken ist "Le passé" daher ein großartiger Film mit sehr guten Schauspielern. Insbesondere Pauline Burlet hinterlässt als Lucie einen starken Eindruck. Erst im letzten Viertel gerät die erzählerische Konstruktion an ihre Grenzen. Jedoch folgt eine gute Schlussszene, die den Kern des Dramas noch einmal deutlich macht: Die Menschen können ihre Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen, Verständnis gibt es immer nur in der Gegenwart und eine Wahrheit gibt es nicht – lediglich Variationen davon.

Fazit: "Le passé" ist ein eindringliches und packendes Familiendrama, das von dem Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart erzählt. Sehenswert.




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