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Where's the beer and when do we get paid?
Where's the beer and when do we get paid?
© Böller und Brot

Kritik: Where's the beer and when do we get paid? (2012)


In ihrer Dokumentation "Where's the beer and when do we get paid" begleiten die Regisseurinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler den ehemaligen Rockstar Carl Black die letzten beiden Jahre seines Lebens auf Tour und zeigen außerdem, wie ein ehemaliger Rockstar mit dem idyllischen Leben in der bayerischen Provinz zurechtkommt. Der Film ist eine sympathische Annäherung an die Person Jimmy Carl Black mit vielen heiteren, tragikomischen Momenten, die am Ende jedoch an ihrer Konzeptlosigkeit und mangelhaften Struktur leidet.

Der 1938 in Texas geborene Jimmy Carl Black begann im Alter von 20 Jahren damit, Schlagzeug zu spielen. 1964 rief er gemeinsam mit Roy Estrada die Formation "Soul Giants" ins Leben, im Jahr darauf stieß der Rocksänger Frank Zappa zu ihnen und sie benannten sich in "Mothers of Invention" um. Als "Mothers" erlebten Black und seine Bandkollegen den amerikanischen Rock'n'Roll-Traum, gemeinsam spielten sie vor ausverkauften Hallen und nahmen acht Alben auf. Nach der Auflösung der Band in den 70er-Jahren wurde es ruhiger um Black. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er eine Deutsche und lebte seit den 1990er-Jahren in Deutschland. Im November 2008 erlag Black in Siegsdorf seinem Krebsleiden. Er hinterließ seine Frau und sechs Kinder.

In seinen stärksten Momenten macht der Film immer wieder den Kontrast zwischen dem ehemaligen Rockstar-Dasein und dem späteren Leben Blacks in der bayerischen Einöde für den Zuschauer spürbar. So lassen die beiden Filmemacherinnen immer wieder Höpflinger Einwohner aus dem Off über ihre musikalischen Vorlieben referieren, natürlich in einwandfreiem oberbayerisch. Oder sie beobachten die örtliche Blaskapelle bei ihren Proben. Dazwischen fügen Baier und Köhler immer wieder Original-Aufnahmen von Black als Drummer der "Mothers of Invention" aus den 60-Jahren ein. Somit verdeutlicht "Where's the beer..." auf charmante und durchaus berührende Weise, dass die Zeiten des "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" längst vorbei sind. Black tauschte bereits in den 90er-Jahren die Lederkluft mit der Lederhose, getreu dem Motto: Blasmusik statt harter Rock-Sounds. Black selbst beweist derweil in den Interview-Sequenzen ein gehöriges Maß an Humor und Selbstironie.

Schade ist, dass in dem Film fast jegliche Song- und Sound-Beispiele der "Mothers of Invention" fehlen. Die Witwe von Frank Zappe erlaubte es den Regisseurinnen nicht, die Musik der Band in ihrem Dokumentarfilm zu verwenden. Dafür können die Beiden letztlich natürlich nichts, jedoch eignet sich der Film damit auch nicht wirklich für Zuschauer, die sich intensiver mit dem Musiker Black und den Songs der "Mothers of Invention" befassen wollen. Unklar hingegen ist auch, wieso der Film eigentlich erst jetzt, knapp fünf Jahre nach dem Tod von Black in die Kinos kommt. Und zuletzt leidet der Film auch an seiner mangelhaften, unschlüssigen Struktur. "Where's the beer..." verwirrt den Zuschauer nicht selten durch seine konzeptlose Aneinanderreihung der Stilmittel und dokumentarischen Elemente: da folgt ein Interview-Schnipsel mit Black auf rare Original-Aufnahmen der "Mothers of Invention", bevor im Film wieder Gespräche mit Höpflinger Bürgern aus dem Off zu hören sind oder die Kamera Black bei seinen späteren Auftritten als Rock-Rentner in deutschen Landen zeigt.

Fazit: Unterhaltsame, aber letztlich konzeptlose Doku über einen sympathischen, selbstironischen Rockstar, der in der bayerischen Provinz das ruhige und ereignislose Leben genießt.





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