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20,000 Days on Earth
20,000 Days on Earth
© Rapid Eye Movies © 24 Bilder

Kritik: 20.000 Days on Earth (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"20 000 Days on earth" ist eine Musiker-Biographie und Doku-Fiktion, die erfrischend anders ist. Der Film stammt von dem britischen Ehepaar Iain Forsyth und Jane Pollard und dreht sich um einen der beständigsten Künstler der letzten Jahrzehnte, der seit nunmehr fast 30 Jahren erfolgreich als Musiker, Texter, Dichter, Drehbuchautor und Schauspieler arbeitet: den aus Australien stammenden, 57 Jahre alten "Gottvater der düsteren Ballade", Nick Cave.

Angefangen hat Nick Cave Anfang der 80er-Jahre mit der Band "Birthday Party", die sich auf lärmenden Blues spezialisierte. 1983 ließ sich Cave von der Aura und Mystik West-Berlins, der damals geteilten Stadt, anziehen und gründete u.a. mit Blixa Bargeld von der deutschen Band "Einstürzende Neubauten", die Combo "Bad Seeds". Die "Bad Seeds" sind bis heute die Begleitmusiker von Cave, mit denen er seit 1983 14 Studioalben aufgenommen hat, die vornehmlich düsteren Pop mit lyrischen Texten und elegisch-dunklen Balladen, für die Cave vor allem bekannt ist, beinhalten. Cave trat seit seinen Anfangstagen als Künstler immer wieder auch als Schauspieler in Erscheinung, so wirkte er u.a. in einigen Filmen von (Es ist ein Fehler aufgetreten) mit.

Seinen kommerziell größten Erfolg landete Cave 1995 im Duett mit Pop-Sternchen Kylie Minogue. Ihre Ballade "Where the wild roses grow" begeisterte Mainstream-Pop-Hörer ebenso wie anspruchsvolle Kritiker. Der Song schaffte es sogar in die Liste der "100 besten Songs der 90er Jahre" vom New Musical Express, dort wurde er auf Position 35 platziert. 2005 schrieb Cave das Script sowie den Score zum Western "The Proposition - Tödliches Angebot" mit Guy Pearce, der auf der Berlinale im Februar 2006 gezeigt wurde. Damit machte sich Cave auch im Bereich Filmmusik einen Namen.

Forsyth und Pollard begleiteten Nick Cave einen ganzen Tag lang (es war der 20.000ste Tag seines Lebens) mit der Kamera und schaffen so ein intimes, nahes Porträt von der komplexen Person Cave. Dadurch erhält der Zuschauer eine interessante Vorstellung vom Alltag eines (Rock-) Künstlers, der sich vor der Kamera weltoffen gibt und sehr persönliche Einblicke nicht nur in sein Künstler-Leben sondern auch in sein Innerstes gewährt. In locker-gelösten Unterredungen und gespielten Situationen darf Cave über sein Leben, seine vielen Erfahrungen mit einigen Größen der Pop-Szene und seine Kunst schwadronieren.

So erfährt der Kinobesucher weiterhin, in welchem Umfeld und wie Nick Cave eigentlich seine Texte schreibt. Umgeben von Tausenden von Büchern und Schallplatten, tippt Cave einen Großteil seiner Texte nach wie vor - bei schummrigem Licht und loungiger Musik - auf einer handelsüblichen Schreibmaschine aus den 60er-Jahren. "Ich kreiere in meinen Texten Welten voller Monster und voller guter und schlechter Menschen." Und Nick Cave lässt uns daran teilhaben, wie diese Texte entstehen. "20 000 Days on earth" ist ein geistreicher, ungewöhnlicher Mix aus Fiktionalem und Dokumentation, der blendend unterhält und nicht nur für Cave-Jünger interessant ist.

Fazit: Faszinierende Künstler-Doku(-Fiktion) über einen der wichtigsten Songwriter der Gegenwart.





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