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Kritik: Hawaii (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Hawaii" ist der dritte Langfilm des argentinischen Regisseurs Marco Berger, der 2009 mit seinem Erstling "Plan B" für Aufsehen sorgte. Das Thema "Homoerotische Sehnsüchte und Begierden" ist eines, welchem sich Berger bereits ausgiebiger in dem "Haiwaii"-Vorgänger "Ausente" (2011) widmete, angereichert mit einer jederzeit spürbaren, knisternden emotionalen Spannung. Eben dieses Sujet steht auch im Mittelpunkt seines neuen Films, den Berger mit viel Gespür für die verunsicherten Protagonisten inszenierte. "Hawaii" wirkt aufgrund der langen Einstellungen und der wenigen, sparsam eingesetzten Dialoge stark poetisch, was auf Dauer aber auch für Ermüdungserscheinungen und so manche Länge sorgt.

Schon kurz nach der Ankunft von Martin auf Eugenio's Anwesen wird deutlich, dass zwischen beiden Männern mehr besteht als nur die gemeinsamen Erinnerungen an eine Kindheit, die man zu weiten Teilen gemeinsam verbracht hat. Fortan beginnt eine Zeit der scheuen Blicke und Gesten, keiner der Beiden will den anderen verunsichern oder sich durch zu offensichtliches Verhalten aus dem Spiel bringen. Die heimlichen Wünsche und Sehnsüchte der zwei jungen Männer bestimmen von nun das Tun und Handeln der Beiden. Mateo Chiarino und Manuel Vignau machen ihre Sache gut, vermitteln für den Zuschauer nachvollziehbar die inneren Konflikte und aufkommenden Ängste. Martin ist der mittellose Herumtreiber und Tagelöhner, Eugenio der gut betuchte Intellektuelle, der als Autor kurz vor seinem großen Durchbruch steht.

Zu dem von Regisseur Berger entfachten Feuer aus Begierde und Verlangen passen die langen, ruhigen Einstellungen und atmosphärischen Bilder der hübschen argentinischen Provinz-Landschaften. Dazu gesellt sich ein ausdrucksstarker, erhabener Soundtrack, der dem Film eine weitere poetische Note verleiht.

Der zurückhaltende Regie-Stil von Berger hat jedoch auch seine negativen Auswirkungen. Die stimmungsvolle aber behäbige Inszenierung driftet hier und da ins Klischeehafte ab, etwa, wenn sich die beiden Männer beim gemeinsamen Baden wieder einmal – verschüchtert wie kleine Rehkitze – verschämte Blicke zuwerfen und keiner sich aus der Deckung wagt. Auch unnötige Längen und eine Spur von Langeweile stellen sich ein, wenn sich die ohnehin ereignis- und spannungsarme Handlung sowie die monotonen Geschehnisse auf der Leinwand immer wieder um die gleiche Frage drehen: wann endlich bringt einer der Beiden die Courage auf, sich seinen Gefühlen endgültig in Form von offensiven Handlungen zu stellen?

Fazit: Durch atmosphärische, stimmungsvolle Bilder und die ruhige Inszenierung gelingt es Regisseur Berger, aus einer spannungsarmen Handlung mit klischeehaften Momenten das Bestmögliche herauszuholen.




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