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Alles Inklusive
Alles Inklusive
© Constantin Film

Kritik: Alles Inklusive (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach dem letzten Film von Doris Dörrie, dem missglückten Drama "Glück" von 2012, war die Hoffnung groß, dass die wohl erfolgreichste deutsche Regisseurin aller Zeiten mit ihrem neuen Werk zu alter Stärke und Form zurückfinden würde. Die Dörrie-Fans können beruhigt sein: "Alles inklusive", der auf dem gleichnamigen von ihr selbst verfassten Roman basiert, ist eine solide Tragikomödie geworden, die alles in allem die richtige Balance aus komischen und ersten Tönen findet. Zwar erweisen sich manche der Film-Figuren als überflüssig, aber die gelungene Besetzung sowie die überzeugenden schauspielerischen Darbietungen schaffen es, den Film über weite Strecken überdurchschnittlich erscheinen zu lassen.

Mit "Alles inklusive" findet Dörrie ("Männer", "Nackt") zu alter Stärke zurück und macht damit das filmische Debakel "Glück" wieder vergessen. Wie so oft bei der aus Hannover stammenden Regisseurin, Produzentin und Autorin erweist sich die Figurenzeichnung und die Fülle an spleenigen Charakteren als große Stärke. "Alles inklusive" wird von einer ganzen Reihe an verschrobenen, witzigen Figuren bevölkert, in deren Leben der Zuschauer hier für fast zwei Stunden einen intensiven Einblick erhält und womit der Film auch regelrecht für alternative Lebensformen und -entwürfe abseits der Norm wirbt. Bestes Beispiel hierfür ist die Figur des traumatisierten Transvestiten Tim/Tina (Hinnerk Schönemann), der sich den ganzen Film hindurch immer wieder melancholisch durch deutsches Schlagerliedgut trällert.

Ein weiteres Beispiel ist natürlich die sympathische, nonkonformistische Hauptfigur Ingrid, die sich schon in jungen Jahren für eine spezielle Lebensform entschieden hat, nämlich, der des Hippietums. Hannelore Elsner geht in der Rolle der rotzigen Rebellin dabei regelrecht auf. Eher zurückhaltend und sanft, und damit als passender Gegenpol, agiert ihre Filmtochter Apple, überzeugend gespielt von Nadja Uhl. Ein echtes Highlight: Tatort-Kommissar Axel Prahl als prolliger Touristinnen-Aufreißer in Hawai-Hemd und viel zu enger Badehose, der einige Lacher auf seiner Seite hat.

Ein wenig missglückt wirken an manchen Stellen die Versuche, der Komik und lässig-leichten Heiterkeit des Films auch ernste und gesellschaftskritische Töne gegenüberzustellen. So bleibt etwa ein am Strand angespülter afrikanischer Flüchtling reichlich überflüssig und blass, eine reine Kopfgeburt von Dörrie, die es nicht gebraucht hätte. Dasselbe gilt für die Figur einer aus Bayern stammenden Maklerin, die auf schwarzhumorige Art und Weise immer wieder auf die Verrohung und minderwertige Qualität vieler heutiger All-inclusive-Hotels einschließlich deren Service-Leistungen verweist. Als satirisch-bissig und gelungen erweisen sich im Gegensatz dazu aber die spitzfindigen Dialoge - auch eine bekannte Stärke von Dörrie.

Fazit: Überzeugende Tragikomödie mit weitgehend ausgewogener Balance aus Humor und Ernsthaftigkeit, mit der Doris Dörrie zu alter Stärke zurückfindet. Auch, wenn es manche der Filmfiguren nicht gebraucht hätte. Sie bleiben oft nur Stückwerk.





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