VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Der blinde Fleck - Täter. Attentäter. Einzeltäter? (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

2011 warf der NSU-Skandal die Frage auf, wie die mit dem Fall befassten Verantwortlichen so lange "auf dem rechten Auge blind" sein konnten. Auch fragte man sich unweigerlich, ob dies wirklich der erste Fall gewesen ist, dass der Bundesrepublik massive Gefahr von rechts gedroht hat, ohne dass dies registriert wurde. Daniel Harrichs Kinodebüt "Der blinde Fleck" vertritt ganz unzweideutig den Standpunkt, dass dies leider keineswegs so gewesen ist. Der Politthriller basiert direkt auf den Ermittlungen des echten Ulrich Chaussy, der gemeinsam mit dem Regisseur auch das Drehbuch zum Film verfasst hat. Das bedeutet, dass bei "Der blinde Fleck" ein Höchstmaß an Authentizität und an Sachkenntnis gewährleistet ist. Es bedeutet aber auch, dass das Geschehen von vornherein alleine aus Chaussys Perspektive gezeigt wird. Naturgemäß interessiert sich der Journalist am meisten für den eigenen Recherchevorgang. Das Ergebnis ist ein Thriller des investigativen Journalismus' in der Art von "Die Unbestechlichen" (1976).

Doch im Gegensatz zu Alan J. Pakulas Film über die Ermittlungen im Fall der Watergate-Affäre ist Daniel Herrichs Werk zu den Untersuchungen im Fall des Oktoberfest-Attentats sehr sachlich und unglamourös – man ist fast versucht zu sagen "typisch deutsch" - ausgefallen. Wer hier die aus einem regulären US-Politthriller bekannte Action erwartet, der wird von der sachlich-trockenen Aufbereitung des Falls in "Der blinde Fleck" höchstwahrscheinlich eher enttäuscht den Kinosaal verlassen. Der Film verzichtet ganz bewusst auf äußerlich spektakuläre Szenen. Als z.B. zwei tatverdächtige Anhänger der rechten Szene Selbstmord begehen, so begnügt sich der Film mit Andeutungen, blendet die eigentliche Tat jedoch aus. Klassische Thrillerstimmung kommt hier meist nur dann auf, wenn der von Heiner Lauterbach grandios verkörperte Dr. Hans Langemann als Ulrich Chaussys eiskalter Antagonist auftritt. Auch Benno Fürmann glänzt in der Rolle des immer obsessiver mit dem Fall befassten Chaussy und schafft einen interessanten, aber trotzdem recht bodenständigen Charakter, mit dem man gerne bis zum Ende mitfiebert.

Fazit: "Der blinde Fleck" ist ein sehr gelungener Politthriller über die Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy zum Oktoberfestattentat von 1980. Der Film kopiert nicht Thriller amerikanischer Machart, sondern wählt selbstbewusst einen eigenen Weg. Wer plumpe Action sucht, wird enttäuscht, für alle anderen offenbart sich hier ein gelungener deutscher Genrefilm, der auf realen Ereignissen basiert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.