VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Jung & schön (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit Isabelle stimmt doch etwas nicht, vermutet nicht nur ihre geschockte Mutter: Wenn sich eine 17-Jährige aus freien Stücken und ohne materielle Not prostituiert, widersetzt sie sich radikal den gesellschaftlichen Erwartungen. Der französische Regisseur François Ozon provoziert mit dieser faszinierenden Geschichte nicht nur wegen des Themas, sondern auch weil er die Beweggründe und Gefühle der Hauptfigur weitgehend im Dunkeln lässt. Isabelles sexueller Trip ins Erwachsensein oder vielmehr ihrer Vorstellung davon bleibt sehr offen für die Interpretationen der Zuschauer. Der Film regt zum Nachdenken an über das Rätsel der Jugend, die Geschlechterrollen und die Doppelmoral, die Frauen begegnet.

Beim ersten Mal ist Isabelle, ihrem Blick nach zu urteilen, ziemlich schockiert über die Gefühlsarmut ihres jungen Sexpartners. Wieder daheim in Paris, wird sie auf der Straße in Gegenwart ihrer Schulfreundin von einem Fremden angesprochen – in eindeutiger Absicht. Sie erkennt, dass ihre weiblichen Reize ihr eine neue Tür aufschließen: Der Kontakt mit ihr ist Männern buchstäblich viel wert. Auch ihr erscheint es vorteilhaft, dass dabei keine lästigen Bindungen entstehen und sie ungehindert weiterforschen kann. Isabelle genießt die große Freiheit jenseits des behüteten Schülerinnen- und Tochterdaseins. Was wollen die Männer, was sehen sie in ihr, was erfährt sie bei diesen körperlichen Begegnungen über sich selbst?

Ihrem jüngeren Bruder rät sie, das Angebot seiner Klassenkameradin anzunehmen, die Zungenküsse für 5 Euro verkauft. Isabelle wird in dieser Geschichte, die die jugendliche Unbeschwertheit hervorragend spiegelt, als freche Rebellin inszeniert. Die beeindruckende Marine Vacth spielt Isabelles Offenheit als eine charmante Mischung aus Verletzlichkeit und Abenteuerlust. Ozons Hauptdarstellerin in früheren Filmen wie "Swimming Pool" und "Unter dem Sand", Charlotte Rampling, glänzt hier in einem Gastauftritt als ältere Frau, die die Jugendliche vom Makel des Abwegigen freispricht. Hinter ihrer kühlen Fassade sucht Isabelle nämlich sehr wohl nach der Liebe, von der die melancholischen Chansons von Françoise Hardy begleitend zur Handlung erzählen.

Fazit: François Ozons spannender, erotisch reizvoller Film dreht sich um eine 17-Jährige, die sich prostituiert, um sich erwachsen zu fühlen. Marine Vacth brilliert in der schillernden, wortkargen Hauptrolle der abenteuerlustigen Rebellin, die sich nicht um Rollenerwartungen schert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.