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Mary - Königin von Schottland
Mary - Königin von Schottland
© One Filmverleih

Kritik: Mary - Königin von Schottland (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der stimmungsvolle Kostümfilm des schweizerischen Regisseurs Thomas Imbach basiert auf dem biografischen Roman "Maria Stuart" von Stefan Zweig. Im Zentrum der Geschichte steht das innere Drama der schottischen Königin, in deren Gedanken ihre Kusine und Rivalin, die englische Königin Elisabeth, ständig präsent ist. In Wirklichkeit begegnen sich die beiden Herrscherinnen jedoch nie. Imbach malt das psychologische Porträt einer starken, aber isolierten jungen Frau. Die historische Ausstattung wird mit moderner Kameraführung und subjektiven Gestaltungsmitteln kontrastiert.
Die blutjunge schottische Königin hat in den politischen Wirren des 16. Jahrhunderts kaum Verbündete. Ihr Bruder Moray (Edward Hogg) und seine adelige Entourage, der glühende Protestant Knox (Tony Curran), ihr machthungriger Mann Darnley wollen alle den Kurs ihrer Regentschaft mitbestimmen. Mary wird entweder eingeflüstert, sie soll die englische Königin Elisabeth als ihre Feindin bekämpfen, oder aber im Gegenteil, sich nach deren Wünschen richten. Imbach zeichnet die schottische Regentin als idealistische Frau mit Herz, die sich in einem Haifischbecken bewegt. Ein harmonisches Miteinander schwebt ihr vor, zwischen Katholiken und Protestanten ebenso wie in der Beziehung zur geliebten Kusine, die sie in ihren inneren Monologen manchmal als Schwester bezeichnet. Mary versucht irgendwie die Quadratur des Kreises, denn gleichzeitig provoziert sie Elisabeth mit ihrem Machtbewusstsein und ihrem Stolz. Für einen Kostümfilm ist Marys Sprache erstaunlich emanzipiert: Ungerührt weist sie die Männer in die Schranken, die ihre Weiblichkeit als Schwäche auslegen wollen.
Stilistisch beweist der Film Experimentierfreude. Die Landschaftsaufnahmen stehen oft im Kontrast zur Atmosphäre, die die alten Kostüme, die Interieurs im Kerzenschein, die steinernen Wendeltreppen und die Reiter erwecken: Wie um das Gefühl der Bedrohung, des aufziehenden Unheils einzufangen, hastet die Kamera über karge Hügel, Moore und Küstenstreifen, ohne Halt zu finden. Die dissonanten, unheimlichen Klänge der Kompositionen von Sofia Gubaidulina lassen keinen Zweifel daran, wie unfrei und gehetzt sich die schottische Königin fühlen muss. In dieser bedrückenden Atmosphäre wirkt die jugendliche Anmut der Hauptdarstellerin Camille Rutherford nicht nur sehr verletzlich, sondern auch kühn. Marys an die abwesende Elisabeth gerichteten Worte und ihre gelegentlichen Halluzinationen spiegeln ihre Sehnsucht nach einem Ausweg aus den dunklen Zeiten. Das stimmungsvolle Porträt überzeugt gerade mit seiner subjektiven Interpretation dieser tragischen historischen Figur.

Fazit: Thomas Imbachs Porträt der schottischen Königin Mary kombiniert Elemente des klassischen Kostümfilms auf reizvolle Weise mit modernen Stilmitteln, um das Klima der Bedrohung, in dem sich die junge Regentin bewegte, spürbar zu machen.






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