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Homesick
Homesick
© Daredo Media GmbH

Kritik: Homesick (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine verwirrt wirkende, vor sich hin murmelnde Frau stapft im Morgenmantel durch ein gespenstisch graues Berlin – die erste Szene aus "Homesick" ist ein unheilvoller Vorgriff auf das, was noch kommen soll. Dabei beginnt Jakob M. Erwas Thriller recht beschaulich mit dem Einzug eines jungen Paares in die erste gemeinsame Wohnung. Nüchtern und um Authentizität bemüht inszeniert der Regisseur und Drehbuchautor seinen Film, beinahe kühl und analytisch blickt die Kamera aus der Ferne auf die Protagonisten und ihr alltägliches Treiben. Jessica und Lorenz, das sind ganz normale Menschen, die durch das improvisiert wirkende Spiel der beiden Hauptdarsteller Esther Maria Pietsch und Matthias Lier weniger wie ausformulierte Figuren aus einem Spielfilm erscheinen denn als Leute, denen man täglich begegnet, auf der Straße, im Büro oder im Treppenhaus.

Aber nicht nur ein Rückblick auf die Filmgeschichte, besonders auf Roman Polánskis "Rosemaries Baby" (1968) oder "Der Mieter" (1976), lässt Böses erahnen, wenn etwa die undurchsichtige Nachbarin Frau Domweber in Erscheinung tritt. Von Anfang an sorgt vor allem die Tonspur mit dunklen, bisweilen an den Nerven zerrenden Sounds für ein Unbehagen, das die Routinen und Floskeln des Alltags in einem anderen Licht erscheinen lässt. Die Freundlichkeit der älteren Nachbarin hat da plötzlich etwas Kaltes an sich, unter dem Deckmantel der guten Manieren schwingt immer die Bedrohung mit.

Vor allem im ersten Drittel gelingt es Erwa mit subtilen Mitteln und bloßen Andeutungen eine finstere Atmosphäre zu erzeugen und diese nach und nach noch zu steigern. Der Fokus auf eine weibliche Figur sowie deren schmerzhafter Vollziehung eines künstlerischen Prozesses und das Ineinanderlaufen von Wahn und Wirklichkeit erinnern dabei oftmals an Darren Aronofskys "Black Swan" (2010), wenngleich "Homesick" auf grelle Effekte verzichtet und ästhetisch eher auf Reduktion setzt.

Später schwächelt der Psychothriller jedoch deutlich, die Zuspitzung misslingt. Das liegt zum einen an einigen unnötigen Klischees, aber in erster Linie an der Protagonistin, der man nie wirklich nahe kommt und auf ihrem Höllentrip in die eigene Seele daher nur mit mäßigem Interesse folgt. Das Finale wartet zudem mit einem Twist auf, der durchaus Wirkung zeigt, aber letztlich für einen simplen Schock doch die Glaubwürdigkeit des Films verrät.

Fazit: Vor allem zu Beginn kann Jakob M. Erwas Psychothriller mit seiner finsteren Atmosphäre fesseln. Die Zuspitzung misslingt jedoch und mit dem finalen Twist gibt "Homesick" seine zuvor subtil erzeugte Glaubwürdigkeit vollkommen auf.




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