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The Last Witch Hunter
The Last Witch Hunter
© Concorde

Kritik: The Last Witch Hunter (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nachdem Anfang 2015 der stargespickte Blockbuster "Seventh Son" in einer enttäuschenden Abenteuergeschichte von Magie und bösen Zauberwesen erzählte, kommt nun eine weitere Großproduktion ins Kino, die das Ringen zwischen Hexen und Menschen beschwört, den Zuschauer jedoch nicht in ihren Bann ziehen kann. Trotz passabler Schauwerte ist "The Last Witch Hunter" ein verunglückter Fantasy-Actionfilm, den Hauptdarsteller und Koproduzent Vin Diesel allen Ernstes zu einem Franchise ausbauen will. Ob die bereits angelaufenen Planungen wirklich zu Ende gebracht werden, dürfte am Ende allerdings vom Einspielergebnis abhängen. Die Qualität jedenfalls ist außen vor – wie so oft in der gewinnorientierten Hollywood-Industrie.

Bei aller Kritik fällt in der Rückschau eines auf: Der Einstieg, der den Zuschauer in eine düstere Mittelalterwelt entführt, ist durchaus atmosphärisch. Raubein Vin Diesel, der erst vor kurzem mit dem siebten Teil der "The Fast and the Furious"-Reihe große Erfolge feierte, tritt uns mit langem Bart und Irokesenschnitt als grimmiger Krieger gegenüber und bietet einer bösen Hexenkönigin – gespielt von der deutsch-französischen Schauspielerin Julie Engelbrecht – furchtlos die Stirn. Hat man langsam Spaß am finster-trashigen Kampfgetümmel gefunden, gibt ein großer Kniff dem Geschehen auch schon eine andere Richtung. Kaulder, so heißt der entschlossene Held, kann seine Widersacherin töten, wird von ihr jedoch verflucht und ist fortan unsterblich. Womit der Film ruckzuck in die Gegenwart zum nun glattrasierten Hexenjäger springt, der in eine verschwurbelte, stellenweise ermüdende Verschwörungsgeschichte hineingezogen wird.

Regisseur Breck Eisner ("The Crazies – Fürchte deinen Nächsten") ist dabei bemüht, ein faszinierendes mythologisches Universum samt geheimer Bruderschaft und jahrhundertealten Fehden an die Wand zu malen, hantiert jedoch mit Versatzstücken und Behauptungen, die nicht restlos überzeugen. Dass im Kampf der guten Mächte gegen böse Hexenwesen die ganze Menschheit in Gefahr sein soll, gerät vor allem deshalb aus dem Blick, weil die sterblichen Erdenbewohner fast ausschließlich in Beobachterrollen verharren. Im Mittelpunkt steht der unverwundbare Kaulder, der nach dem Mord an seinem langjährigen Mentor (angemessen würdevoll: Michael Caine) gemeinsam mit der guten Hexe Chloe (ein Farbtupfer: Rose Leslie) wie ein Sherlock Holmes für Arme einzelne Stationen abklappert, ohne dass der Film daraus große Spannung ziehen würde. Wenig hilfreich ist sicher auch, dass der kirchliche Orden "Axe and Cross", dem Kaulder dient, einer Freak-Truppe gleicht. "Ihr seht aus wie eine schreckliche Band aus den 80ern", heißt es an einer Stelle, was man als Zuschauer sofort unterschreiben will.

Interessante Ansätze wie die Diskussion über die grausamen Hexenprozesse der Vergangenheit oder das Eintauchen in die Erinnerungswelt des Titelhelden sollen "The Last Witch Hunter" inhaltlich aufwerten, hinterlassen beim Betrachter aber keinen bleibenden Eindruck. Ähnliches gilt für die Szenen, in denen die tragische Verfassung Kaulders beleuchtet wird, der auf ewig zum Leben verdammt als Außenseiter die Welt durchwandert. Geht es ans Emotionale, weiß sich Vin Diesel häufig nur mit großem Pathos zu helfen, weshalb die Gebrochenheit seiner Figur nicht wirklich greifbar wird. Deutlich wohler fühlt sich der Actionstar immer dann, wenn er mit ironisch-markigen Sprüchen um sich werfen und den zupackenden Aufräumer geben kann. Sonderlich bemerkenswerte Kampfpassagen bringen Eisner und seine Crew allerdings nicht in den Kasten. Vielmehr routiniertes Handwerk ohne große Raffinesse. Von einigen Ausnahmen abgesehen (vor allem ein Insektensturm und der Blick auf das postapokalyptische New York), kommen auch die Spezialeffekte nicht über mittelmäßige Standards hinaus – was für einen Fantasy-Blockbuster mit angeblichem Fortsetzungspotenzial schlichtweg zu wenig ist.

Fazit: Flache Story, ausbaufähige Mythologie, konventionelle Actionszenen und ordentliche Schauwerte – vom Hocker hauen dürfte "The Last Witch Hunter" nur die hartgesottensten Vin-Diesel-Fans.




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