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Violette
Violette
© Kool Filmdistribution

Kritik: Violette (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Violette" schildert der französische Regisseur Martin Provost in sieben Kapiteln die Lebensgeschichte von Violette Leduc, einer heutzutage fast vergessenen Vorreiterin des literarischen Feminismus. Provost hat neben seiner Arbeit als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler bereits selbst mehrere Romane veröffentlicht. Sein starkes Interesse an heute in Vergessenheit geratenen progressiven französischen Künstlerinnen zeigt auch sein Film "Séraphine" über die Malerin Séraphine Louis. Dieses Biopic erhielt 2008 sieben Césars, unter anderem die Auszeichnung für den besten Film. Auch in "Violette" spürt man das große persönliche Interesse des Filmemachers an der von Ihm portraitierten Künstlerin. In einem Interview sagt Provost, dass er die wahre Persönlichkeit Violettes hinter der öffentlichen Person Violette Leduc sichtbar machen wollte. Nach außen hin gab sich die Schriftstellerin sehr extravagant, in ihrem Inneren war sie jedoch stets von Selbstzweifeln zerfressen. Ihr gesamtes Werk reflektiert ihr von Abweisung, Selbstablehnung und der verzweifelten Suche nach Liebe gezeichnetes Leben.

Der Schauspielerin Emmanuelle Devos gelingt es hervorragend die komplexe und komplexbeladene Persönlichkeit lebendig werden zu lassen. Man erlebt Violette als sehr verlorene und zugleich sehr entschlossene Frau. Violette ist sehr anstrengend und trotzdem leidet man als Zuschauer mit ihr mit. Ihre große Emotionalität und Leidenschaft kontrastieren stark mit der sehr beherrschten und oft unterkühlt erscheinenden Simone de Beauvoir, die Sandrine Kiberlain auf äußerst überzeugende Art verkörpert. Simone ist eine so eindrückliche Persönlichkeit, dass sie zu der zweiten Hauptdarstellerin wird. Die beiden Frauen unterscheiden sich nicht nur extrem in ihrem Temperament. Simone agiert wie selbstverständlich in einer Welt, welche der aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Violette zunächst als jenseits ihrer Greifweite erscheint. Gerade in dieser Gegenüberstellung gewinnt auch Violette an persönlichem Profil.

Leidenschaftlich und wunderschön sind die Passagen, die aus ihren Büchern vorgelesen werden. Es ist deutlich, dass Simone de Beauvoir in Violette Leduc nicht bloß eine Mitstreiterin für ihren Kampf um die Gleichstellung der Frau sieht, sondern ebenso eine große Künstlerin in ihrem eigenen Recht. Martin Provost zeichnet das Bild dieser verkannten und vergessenen Schriftstellerin derartig lebendig, dass man als Zuschauer Lust bekommt - so wie der Regisseur - die Romane Leducs für sich zu entdecken. Darüber hinaus gelingt Provost eine sehr atmosphärische Schilderung der damaligen Zeit. Der Film bewegt sich in ruhigem Fluss von den düsteren Jahren der Besetzung über eine lebendige Darstellung des Lebens der Pariser Intellektuellen hin zu den lichten Landschaften der Provence.

Fazit: "Violette" ist ein sehr sehenswertes Portrait der heute fast vergessenen Schriftstellerin Violette Leduc und ihres intellektuellen Pariser Umfelds.




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