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Ein Schotte macht noch keinen Sommer
Ein Schotte macht noch keinen Sommer
© Tobis Film

Kritik: Ein Schotte macht noch keinen Sommer (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Eine Familie, die auseinanderbricht, macht eine Reise zum Großvater, der nicht mehr lange leben wird. Die Stunden mit den Verwandten sind wie eine Berg- und Talfahrt, die allen neue Perspektiven eröffnet und das Herz wärmt. Wenn jemand aus solch einem Standardthema eine Komödie zu machen weiß, die mit Klischees herrlich unkorrekt aufräumt, dann wohl am ehesten die Briten. Die Einfälle, die die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Guy Jenkin und Andy Hamilton hier präsentieren, sind einfach unglaublich und lassen die Komödie zu einem unvergesslichen Kinoerlebnis werden.
Abi und Doug stehen vor der Scheidung und streiten entsprechend häufig. Aber vor den Kindern spielen sie ihren Ärger herunter und lächeln in den unpassendsten Momenten. Lottie, ihr Bruder Mickey und die vierjährige Jess aber lassen sich nichts vormachen. Jess bekommt von den Eltern sowieso alles, was sie will, weil sie sonst einfach die Luft anhält, bis sie in Ohnmacht fällt. Sie sammelt sperrige Gegenstände, die sie nicht braucht, und ihr Bruder schwärmt ausgiebig für den nordischen Gott Odin – beides findet der Vater irgendwie problematisch. Aber weil die Eltern – und auch Dougs Bruder und Schwägerin, die beim Großvater leben – genug eigene Konflikte haben, sind die Kinder in Schottland ziemlich auf sich gestellt. Dort gibt es nur einen, der ihnen zuhört und mit ihnen gute Gespräche führt: Opa Gordie. Der coole Alte ist innerlich junggeblieben und fürchtet sich nicht vor kindlicher Fantasie. Der Großvater ist der Hauptquell für den trockenen Humor des Films, zumindest aus der Fraktion der Erwachsenen. Die wichtigsten komödiantischen Charaktere aber sind in dieser Geschichte die drei Kinder. Was sie tun und sagen, widerspricht so ziemlich allem, was man den lieben Kleinen normalerweise zutraut, und wirkt trotzdem absolut richtig. So ist der Film fast schon so etwas wie ein Märchen, ein von den Kindern initiiertes Abenteuer, das den Horizont der Erwachsenen einfach komplett übersteigt.
Vielleicht liegt es an der Freiheit, mit der speziell die Kindercharaktere improvisieren durften: Lottie, Mickey und Jess stoßen die erwachsenen Filmfiguren und die Zuschauer nach Herzenslust mit ihren Meinungen und Erkenntnissen vor den Kopf. Mickey erzählt seinen Geschwistern einmal, was er in einer TV-Sendung über tote Menschen erfahren hat: Mit ein-zwei Sätzen ist die gerne verdrängte Wahrheit aufs Tapet gebracht, dass selbst behütete Kinder nicht in einer heilen Welt aufwachsen, sondern sich mit Informationen herumschlagen, die sie gar nicht gut verarbeiten können. Die Dialogsätze der Kinder sind köstlich und lassen einen oft spontan auflachen, weil sie so verblüffend weitsichtig und ideenreich sind. Eine Komödie zum Staunen und Liebhaben, so unbekümmert wie ein Kinderstreich.

Fazit: Diese köstliche britische Familienkomödie lässt den Ideen ihrer Kinderfiguren freien Lauf und beweist mit trockenem Humor, dass die Kleinen mehr draufhaben, als Erwachsene oft glauben.





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