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Die Frau, die sich traut
Die Frau, die sich traut
© X Verleih

Kritik: Die Frau, die sich traut (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Die Frau, die sich traut" ist ein typischer Fall und ein Paradebeispiel für die abgedroschene Floskel "weniger ist mehr". Dabei hätte Regisseur Rensing alle Trümpfe für ein deutschsprachiges Drama-Meisterstück in seinen Händen gehabt. Er selbst versteht das Regie-Handwerk ausgezeichnet und beherrscht das "Ein mal eins" der Dramaturgie vorzüglich, wie er mit seinem vor Energie und Leidenschaft strotzenden Film "Parkour" unter Beweis stellte. Dazu eine emotionale, mitreißende Story um eine ehemalige Leistungssportlerin, die mit 50 ihr Leben noch einmal komplett umstellt. Und schließlich die wunderbare Steffi Kühnert als fleißige, träumerische Wäschereiangestellte Beate, die ihr Leben und ihre Bedürfnisse bislang denen der Kinder unterordnete, sich aufopferungsvoll kümmerte und in allem zurücksteckte. Bis zur Krebs-Diagnose.

Das Problem des Films ist vor allem seine Fülle an wichtigen, handelnden Personen, mit all ihren unterschiedlichen, ganz individuellen Schwierigkeiten. Da ist natürlich Beate mit ihrem großen Lebenstraum (Ärmelkanal) und ihrem großen Geheimnis (Krebserkrankung). Da ist ihre beste Freundin Henni, die mit der psychischen Belastung leben muss, als einzige von Beates Krankheit zu wissen. Dann die Kinder, Rike und Alex. Die eine mit Examens-Stress und Auseinandersetzungen mit Tochter Lara. Der andere mit Beziehungs-Streitigkeiten, die unter dem Dach der Mama ausgetragen werden. Bei all den Protagonisten, die doch alle irgendwo auch Hauptpersonen sind, verliert man schon mal den Überblick. Hier prallt viel zu viel aufeinander.

Als zweites großes Manko sei die Unglaubwürdigkeit vieler Handlungen und Äußerungen vor allem von Beate genannt. Schwer zu glauben, dass eine leidenschaftliche Mutter, für die die Kinder bis dato alles im Leben war, von heute auf morgen alles stehen und liegen lässt, um ihre Zeit fast nur noch auf dem Ergometer-Trainer und schwimmend in der Ostsee zu verbringen. Krebs-Diagnose hin oder her. Oder dass es einem Menschen so leicht fallen kann, alle Gedanken an eine bevorstehende Chemotherapie-Behandlung zu verdrängen und trotz Erkrankung täglich viele Stunden in der eiskalten Ostsee Top-Leistung zu bringen. Und noch dazu, ohne ihrer Familie etwas von der schrecklichen Diagnose zu erzählen.

Dass "Die Frau, die sich traut" dennoch auf jeden Fall sehenswert geraten ist verdankt der Film eben jener bereits erwähnten großartigen Leistung von Steffi Kühnert und Rensings Gespür für einen schlüssigen, packenden Spannungsaufbau. Noch dazu sorgen die vielen genussvollen Dialoge und Streitgespräche in erster Linie zwischen Beate, Sohn Alex und dessen Freundin Katrin für viel Heiterkeit und lustige Momente bei all der Tragik und Schwere der Story. Katrin, schwanger und noch dazu genervt von den vielen Streitigkeiten, wird überzeugend verkörpert von der bezaubernden Anna Blomeier, die man vor allem aus Serien wie "Edel & Stark" und "SOKO Leipzig" kennt.

Fazit: Trotz einiger Unglaubwürdigkeiten in der Handlung und einer Übermenge an handelnden, wichtigen Protagonisten, ist "Die Frau, die sich traut" eine überzeugende, sehenswerte Tragikomödie geworden. Dem guten Ensemble und den knackigen Dialogen sei dank.




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