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Kritik: Coming In (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich ein schwuler Mann in eine Frau verliebt? Regisseur Marco Kreuzpaintner wehrt sich gegen das Schubladendenken und plädiert für mehr Offenheit und Individualismus auch unter Homosexuellen: "Ich als Schwuler darf selbstbewusst mit den Facetten spielen." Die Komödie, die auf einem gleichnamigen TV-Film aus dem Jahr 1997 basiert, hat trotzdem ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Zuerst weigert sich Tom Herzner, überhaupt mit Frauen auf der Bühne zu stehen, bald aber verdreht ihm Friseurin Heidi erstaunlich mühelos den Kopf. Soviel Bemühen um Originalität kann auch zum Eigentor werden.

Abgesehen davon nutzt der Film die kontrastierenden sozialen Milieus von Tom und Heidi als durchaus ergiebige komödiantische Spielwiese. Heidis Salon im Unterschicht-Bezirk Neukölln ist zu bunt und unordentlich für Toms Geschmack, der ja in seiner Welt nur im schwarzen Outfit unterwegs ist. Heidis Kunden haben ihre angestammten Vorstellungen, wie ein Haarschnitt sein soll und schätzen seinen kreativen Anspruch überhaupt nicht. Außerdem isst Heidi mittags Fertigpizza mit Ananas drauf, während Tom einen Salat bevorzugt. Aber Tom fühlt sich von Heidi menschlich angesprochen: Sie lässt ihn erkennen, wie sehr er es gewöhnt ist, die Nase zu rümpfen, anstatt unvoreingenommen hinzuschauen. Und Heidi wiederum erfährt, dass Liebe mehr sein kann, als sich ständig die Fußballberichte ihres prolligen Freundes Didi anzuhören. Kostja Ullmann macht als Schwuler und als Hetero eine gute Figur, so dass die Romantik mit Filmpartnerin Aylin Tezel einigermaßen funktioniert. Aber die Inszenierung legt nicht besonders viel Wert auf eine genaue Figurenzeichnung. So plätschert die Handlung ganz nett, aber wenig aufregend dahin, unterstützt von zahlreichen Nebenfiguren, die als Ensemble für einen runden Gesamteindruck sorgen sollen. Weder fehlt das liebenswürdige Großelternpaar, das der Liebe applaudiert, noch der überkandidelte schwule Salvatore (August Zirner), der mit seiner auffälligen Kleidung die gröbsten Klischees toppt. Insgesamt kann die Komödie weder in Sachen Romantik, noch mit ihrem verhaltenen Witz wirklich überzeugen.

Fazit: Verquer wie der Titel "Coming In" wirkt auch der Plot dieser Komödie, in der sich ein Schwuler in eine Frau verliebt. Mehr Witz zieht der Film aus dem Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Berliner Milieus, aus denen die beiden Hauptfiguren kommen. Aber der gefällige, oberflächliche Tonfall zwingt den Spannungsbogen in die Knie.





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