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Im Spinnwebhaus
Im Spinnwebhaus
© missingFilms

Kritik: Im Spinnwebhaus (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das märchenhafte Drama lief auf der diesjährigen Berlinale im Rahmen der Sektionen Generation (für Kinder- und Jugendfilme) und Perpektive Deutsches Kino (für deutsche Debütfilme) als sogenannte Cross-Section Vorführung. Inszeniert von der zuvor mit einigen Kurzfilmen aufgefallen Regisseurin Mara Eibl-Eibesfeldt nach ihrem Regie-Studium an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen qualifzierte sich der Film klar als Debütfilm - ob er aber tatsächlich ein Kinder- oder Jugendfilm ist, darf zumindest diskutiert werden.

Lose auf wahren Begebenheiten beruhrend, erzählt der Film von drei Geschwistern, die von ihrer alleinerziehenden Mutter ohne Aufsicht zurückgelassen werden, als diese in eine psychische Klinik eingewiesen wird. Aus Angst davor, ins Heim zu kommen, versuchen die Kinder zu verbergen, dass sie vollkommen auf sich allein gestellt sind. Dabei übernimmt der Älteste, der gerade einmal 12-jährige Jonas, die Rolle des Familienoberhaupts - zuvor schon hatte er sich allzu oft um seine Mutter kümmern müssen, da die dem Alltag mit drei Kindern kaum mehr gewachsen war. Liebevoll versorgt er nun seine jüngeren Geschwister, organisiert Essen aus Müllcontainern und schafft es über Monate, den Schein zu wahren - obwohl das zunehmend verdreckte Haus mehr und mehr Spinnen und sonstiges Ungeziefer beherbergt.

Als Zuschauer folgt man der Situation der Kinder gebannt und merkwürdig zwiegespalten: Einerseits hofft man mit ihnen, dass sie nicht auffliegen, andererseits wünscht man aber auch genau das Gegenteil, nämlich, das möglichst schnell jemand hinter ihr Geheimnis kommen und sich um sie kümmern möge.
Das sie grob auf wahren, wenn auch unglaublichen Begebenheiten beruht, macht die Story noch spannender: Man will einfach wissen, wie die Sache ausging. Hier ist allerdings dann auch das größte, vielleicht das einzige, Manko der Story: Das fast märchenhaft geratene Ende lässt allzu viele Fragen offen - vielleicht eine Konzessionsentscheidung, um das Ganze für junge Zuschauer nicht allzu hart zu gestalten.

Geschossen in Schwarz-Weiß von Kameramann xyz, ist die Optik hingegen voll gelungen. Und auch das Spiel, gerade des jungen Hauptdarsteller-Trios Ben Litwinschuh, Lutz Simon Eilert und Helena Pieske überzeugt auf ganzer Linie.

Fazit: Gelungenes, hübsch anzusehendes Debüt mit überraschend guten Kinderdarstellern und fesselnder Story, die leider am Ende einige Fragen offen lässt.




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