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Essen Schlafen Sterben
Essen Schlafen Sterben
© Anagram Produktion

Kritik: Essen Schlafen Sterben (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit beinahe dokumentarischer Strenge schildert der sozialkritische schwedische Spielfilm aus dem Jahr 2012 den Alltag einer jungen Frau mit Migrationshintergrund. Obwohl sie seit 20 Jahren in Schweden lebt, steht die Muslimin Raša am Rande der Gesellschaft. In ihrem Langfilmdebüt greift die Regisseurin Gabriela Pichler auf eigene Erfahrungen als Tochter von Immigranten und als ehemalige Fabrikarbeiterin zurück. Das prekäre Lebensgefühl ihrer jungen Protagonistin schwankt zwischen Tristesse und Tatkraft, Orientierungslosigkeit und der Suche nach Geborgenheit innerhalb ihrer kleinen Siedlung.

Raša ist Schwedin mit einer anderen Muttersprache. Ihr Vater kann so schlecht Schwedisch, dass sie ihn zum Arzt begleiten und für ihn dolmetschen muss. Voller Energie und Neugier mischt sie sich in ihrer Kleinstadt unters Volk, spricht Leute an, ist in der Fabrik eine der Schnellsten. Die kämpferische, aber auch mädchenhaft wirkende Frau ist engagiert, für Vieles zu begeistern. Dabei muss sie immer wieder aufs Neue ausprobieren, ob sie noch mehr dazugehören könnte. Ihre Kontakte sind oberflächlich, manchmal fallen ausländerfeindliche Bemerkungen. Rašas diffuse Unsicherheit formuliert der Film nicht aus, sondern zeigt sie indirekt, wenn sie zum Beispiel einen Rummelplatz betrachtet und dabei zu überlegen scheint, ob sie mit diesem Spaß etwas anfangen könnte.

Aber der Migrationshintergrund ist nur eine Ursache von Rašas gesellschaftlicher Benachteiligung. Ein zweiter ist der Mangel an Arbeitsplätzen in der Stadt, ein dritter die fehlende konkrete Unterstützung beim Arbeitsamt. Voller Ironie kontrastiert der Film den blumigen Optimismus der Arbeitsvermittler mit der Ratlosigkeit der Menschen in der Coaching-Gruppe. Die ganze Zukunft stehe ihnen offen, sagt man ihnen. Es gelte, die eigenen Chancen zu vermehren, aber auch, Hobbys zu pflegen. Die Fahrstunden jedoch, die Raša braucht, will man ihr nicht bezahlen.

In der Tristesse dieser gesichtslosen Kleinstadt gibt es für Raša auch immer wieder Lichtblicke. Sie, ihr Vater oder ihr junger Nachbar Nicki (Jonathan Lampinen) spenden sich gegenseitig Trost und verschaffen sich mit unbeholfenen Späßen unbeschwerte Momente. Die Hauptrollen werden alle von Laien gespielt. So erhöht sich der authentische Eindruck des Films. Man hätte sich allerdings auch einen stärkeren roten Faden für die Geschichte gewünscht, zum Beispiel fundiertere Dialoge zwischen Tochter und Vater über die Zukunft. Die Figuren wirken oft etwas verloren zwischen all den verschiedenen Problemen und Missständen, auf welche die Regisseurin hinweisen will.

Fazit: Der schwedische Spielfilm schildert realitätsnah, sozialkritisch und einfühlsam die prekäre Situation einer jungen Arbeitslosen mit Migrationshintergrund.





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