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Kritik: Frauen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Drei Männer sitzen in einem Auto, das halb in der Luft über einem Abgrund hängt. Anstatt zu schauen, dass sie so schnell wie möglich ihre Haut retten, reden sie noch ein wenig über Frauen. Das tun sie übrigens auch vorher schon ständig in dieser Geschichte – im Auto, auf dem Feld, im Wald. Sie hätten dabei auch auf einer Bühne mit gemalten Kulissen stehen können, dann wäre der simple Dreh noch billiger geworden. Irgendwie will Regisseur und Drehbuchautor Nikolai Müllerschön ("Harms") eine coole Geschichte über Buddies auf der Flucht vor der Liebe, den Lebenslügen und dem eigenen Missgeschick erzählen. Aber statt flottem Schwung gibt es zuhauf abgestandene Witze und vielsagende Blicke, die zu Posen gerinnen.

Vor allem das Timing wird zum überragenden Problem. Heiner Lauterbach spielt den kühl-arroganten Geschäftsmann Schott ja ganz gut mit seiner Aversion, mehr als absolut nötig mit seinem Fahrer Rüdiger zu sprechen. Aber wenn er zum ungefähr zehnten Mal streng von oben herab auf diesen blickt und vergisst, dass er auch handeln könnte, verpufft die Wirkung. Warum versuchen er und Rüdiger nicht schon nach wenigen Minuten, Liz Tucha das Messer zu entreißen? Warum schreiten er und Liz Tucha nicht ein, als Rüdiger die beiden Biker unbeholfen provoziert? Und schließlich – warum nur erstarrt Rüdiger beim ersten Anblick der rothaarigen Fremden an der Tankstelle sofort schwer verliebt, als habe er noch nie eine Frau gesehen? Die Frau erwidert seine Gefühle auch noch. Glaubwürdig muss eine Komödie ja nicht unbedingt sein, aber lustig sollte es schon zugehen. Martin Brambach vergeudet sein schauspielerisches Talent als tollpatschiger Fahrer Rüdiger, der immer betonen muss, wie wenig er von Frauen, Ausländern und Moslems hält und dabei schon mal vergisst, auf die Straße zu schauen. Welches Problem Schott mit Frauen hat, wird erst später enthüllt, denn die Männer müssen ja erst langsam, zum Beispiel beim Grillen im Wald, Vertrauen zueinander aufbauen.

Wenn dann auch noch das Bild des Marterpfahls bemüht wird und die drei an Bäume gefesselt dem Johlen ihrer vielen Feinde lauschen, verfestigt sich der Eindruck einer altmodischen, ja geradezu weltfremden Schmunzelkomödie. Die launige, tapsig-schelmische Musikbegleitung, die an Gaunergeschichten aus früheren Zeiten erinnert, kann den fehlenden Schwung der Handlung nicht ausgleichen. Die wunderschöne Kulisse des Elbsandsteingebirges in der Sächsischen Schweiz sorgt als optischer Höhepunkt des Roadmovies für etwas echte Abenteuerstimmung. Aber leider ist hier, aus unerklärlichen Gründen, etwas grundlegend schiefgelaufen.

Fazit: Drei Männer fahren in einem Auto über Land, auf der Flucht vor grimmigen Verfolgern. Zwar geht ihnen dabei das Benzin aus, nicht aber der Gesprächsstoff, denn dieser dreht sich um Frauen. Die fehlende Glaubwürdigkeit der altbackenen Schmunzelkomödie von Nikolai Müllerschön stört weniger als der Totalschaden beim Timing, wenn ihre Charaktere alle Zeit der Welt fürs Posieren haben.




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