VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Lovely Louise
Lovely Louise
© Frenetic Films AG

Kritik: Lovely Louise (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli erfreute vor wenigen Jahren mit ihrer eidgenössischen Seniorinnenkomödie "Die Herbstzeitlosen" auch das deutsche Kinopublikum. Ihre neue Komödie "Lovely Louise" handelt ebenfalls von einer alten Dame und verfügt über einen ähnlichen schrägen Charme. Im Mittelpunkt der eher unscheinbar inszenierten Geschichte steht aber der verklemmte Sohn, der vor lauter Schuldgefühlen dabei ist, sein eigenes Leben zu verpassen. Die Abnabelung eines nicht mehr jungen Sohnes von seiner dominanten Mutter ist längst ein filmisches Klischee: Seit Loriots "Ödipussi" glaubt man, den Verlauf einer solchen Geschichte im wesentlichen voraussehen zu können. Oberli aber verpasst dem erwartbaren Muster einen schrägen, spannenden Dreh.

Sobald Mutters Anruf die erste sexuelle Annäherung von André und Steffi jäh beendet, ist klar: Der Mann muss sich entscheiden, wer künftig die Frau an seiner Seite sein soll. So einfach ist das aber nicht umzusetzen, und schon gar nicht in diesem Film. Denn hier ist es überraschenderweise nicht Steffi, sondern ein fremder Mann aus Amerika, der die Dinge wirklich ins Rollen bringt: Bill nistet sich fröhlich bei Louise und André ein, um das Familienleben nachzuholen, das er angeblich immer so schmerzlich vermisste. Wie André fortan zwischen Eifersucht und Mitleid mit Bill pendelt, zwischen Pflichtgefühl und Erleichterung, dass er nun abends auch mal ausgehen kann, wird mit augenzwinkerndem, feinem Humor erzählt. Annemarie Düringer spielt die alte Frau beeindruckend realistisch und gleichzeitig als schillernde Figur. Louise wirkt schon ziemlich tatterig, pflegt aber weiter erfolgreich ihre Allüren und ihren starken Egoismus. Bill ist bis zum Schluss eine Zwitterfigur: einerseits offenbar der verlorene Sohn, andererseits aber auch ein Hochstapler mit unklaren Motiven. Dass dieser Charakter so rätselhaft und schemenhaft gezeichnet bleibt, enttäuscht ein wenig.

Am stärksten wirkt die Schmunzelkomödie mit ihrem schweizerischen Dialekt, wenn André endlich ein Licht aufgeht. Und auch da widerspricht der hübsche kleine Film der Erwartung: Eine revolutionäre Erkenntnis, die das ganze Leben verändert, muss nicht hochdramatisch ablaufen. Das Gute siegt in dieser Geschichte über den Groll. Dabei widerspricht diese erstaunlich versöhnliche Haltung nicht dem skurrilen, frischen Gesamteindruck des Films.

Fazit: Bettina Oberlis neue Schweizer Komödie "Lovely Louise" löst eine klischeehaft ödipale Mutter-Sohn-Beziehung mit überraschend schrägen Einfällen auf. Der skurrile Humor verwandelt die an sich unspektakuläre Selbstbefreiung eines Mittfünfzigers in ansprechende Kinounterhaltung.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.