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Kritik: Land in Sicht (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Dokumentation "Land in Sicht" widmet sich ganz der Situation vieler Asylbewerber in Deutschland. Anhand von drei Asylanten, die alle in einem Flüchtlingsheim in der brandenburgischen Provinz gelandet sind, macht der Film deutlich, wie schwierig es bei Sprachbarrieren und bürokratischen Hürden bisweilen ist, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Dabei stellt "Land in Sicht" jedoch die humorvollen Aspekte dieses "Culture Clash" in den Mittelpunkt, anstatt allzu betroffen und negativ über die beispielhaften Eingliederungsversuche zu berichten.

Ein Jahr lang haben die Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska ("Der Glanz von Berlin") drei Männer unterschiedlicher Herkunft intensiv begleitet. Dabei standen sie allesamt vor der gleichen Ausgangssituation, nämlich, ohne große Sprachkenntnisse zu versuchen, eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu erhalten und sich in die hiesige Gemeinschaft zu integrieren. Die drei Männer fanden sich in einem Asylantenheim im brandenburgischen Provinznest Bad Belzig wieder: Abdul, ein jemenitischer Scheich, der Iraner Farid und Brian aus dem zentralafrikanischen Kamerun. Alle drei haben unterschiedliche Wünsche, Ziele und Vorstellungen davon, wie ihr Leben in Deutschland aussehen soll. Was die drei Männer jedoch verbindet, ist die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. "Land in Sicht" ist eine bemerkenswerte, authentische und schonungslos offene Dokumentation geworden, die darlegt, in welch schwieriger und oft hoffnungsloser Lage sich viele der Asylanten in Deutschland befinden. Anstatt jedoch auf die Tränendrüse zu drücken, rückt der Film die humorvollen Seiten der schwierigen Integrationsversuche ins Zentrum.

Immer wieder wird in "Land in Sicht" deutlich, woran in vielen Fällen die Integrationsversuche scheitern. Vieler der Asylbewerber haben schlichtweg keine Idee und Vorstellungen vom Leben in Deutschland und was es heißt, in einem fortschrittlichen mitteleuropäischen Land mit all seinen Traditionen, Gepflogenheiten und staatsbürgerlichen Pflichten zu leben. Bestes Beispiel ist hier Abdul, eine der Hauptpersonen von "Land in Sicht". Abdul war in seiner Heimat Jemen ein angesehener, wohlhabender Scheich. Hier in Deutschland ist er nichts weiter als einer von unzähligen, mittellosen Asylbewerbern, denen die erforderlichen Sprachkenntnisse fehlen, um z.B. einen Besuch beim Amt erfolgreichen zu bewerkstelligen.

Die ganze Absurdität der Situation wird deutlich, wenn Abdul seine deutsche Sozialarbeiterin darum bittet, für ihn eine Frau zu suchen, die putzt, kocht und die Wohnung in Stand hält. Diese Forderung mag für unsereins geradezu lächerlich und wahnwitzig anmuten. Für Abdul jedoch, der aus einem Land stammt, in dem solche "Rollenverteilungen" normal und gängig sind, ist nichts Merkwürdiges an diesem Wunsch. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, das die Kluft zwischen ausländischen Asylbewerbern und der deutschen bzw. einer mittel-europäischen Mentalität verdeutlicht. Und so begleiten die Filmemacherinnen auch die anderen beiden Protagonisten bei ihren - manchmal unterhaltsamen aber stets ernstgemeinten - Integrationsbemühungen, z.B. in Berliner Diskotheken, im Fitness-Studio, bei Ämtern oder auch auf ländlichen Dorffesten. Hier wollen die drei Asylsuchenden nichts weiter, als sich in die deutsche Gesellschaft einbringen - die deutsche Mentalität jedoch, macht ihnen die Integration alles andere als leicht.

Dies beweist, dass zu einer gelungenen Eingliederung immer zwei Seiten gehören: der Asylbewerber einerseits, der alles ihm Mögliche tut, um sich in die Gesellschaft einzubringen und das wichtigste Eingliederungs-Element beherrscht, die deutsche Sprache nämlich. Auf der anderen Seite bedarf es jedoch auch eines ausländerfreundlichen, offenen Landes ohne allzu viele Hürden und bürokratische Schranken.

Fazit: Sensible, aufrüttelnde Dokumentation über drei Asylbewerber, die verdeutlicht, an welchen Stellen erfolgreiche Integration in Deutschland möglich ist - und wo sie an ihre Grenzen stößt.





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