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Seitenwechsel
Seitenwechsel
© Warner Bros.

Kritik: Seitenwechsel (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Körpertausch-Filme bilden ein eigenes Untergenre der Komödie und gibt es schon sehr lange. Einen regelrechten Boom erlebte das Subgenre zu Beginn der 90er-Jahre, als Ellen Barkin in "Switch – Die Frau im Manne" (1991) und Meg Ryan in "Bodyswitch" (1992) erfuhren was es heißt, im Körper des anderen Geschlechts zu stecken. Einen der gelungensten filmischen Beiträge stellt "Freaky Friday" mit Jamie Lee Curtis und Lindsay Lohan dar, der wiederum auf "Ein ganz verrückter Freitag" (1976) mit Jodie Foster beruht. "Seitenwechsel" wurde inszeniert von Vivian Naefe, einer der profiliertesten Filmemacherinnen Deutschlands, die neben TV-Erfolgen wie "Tatort" oder "Obendrüber, da schneit es", vor allem mit ihrer Kinder- und Jugendfilmreihe "Die wilden Hühner" Bekanntheit erlangte. "Seitenwechsel" ist mit Darstellern wie Axel Stein oder Fredrick Lau eine bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Komödie. Für Hauptdarsteller Möhring ist es der erste Kinofilm in diesem Jahr.

Natürlich steckt "Seitenwechsel" voller Klischees und Stereotype, die den beiden Geschlechtern seit gefühlten Ewigkeiten anhaften. Vom machohaft-breitbeinigen Gehabe und der Konditionierung auf sexuelle und optische Reize bei den Vertretern des männlichen Geschlechts bis hin zu den altbekannten Ansichten von zart besaiteten, stets auf das äußere Erscheinungsbild achtenden Frauen. Nun ist an diesen Vorurteilen freilich auch etwas Wahres dran, dennoch tut sich der Film keinen Gefallen damit, wenn er einige der abgenutztesten Gemeinplätze bemüht. Ab und an neigen Möhring und Tander leider auch zum aufgesetzten, anstrengenden Overacting, vor allem Tander, in deren Körper ja nun ihr Ehemann steckt. Wie sie sich die meiste Zeit überzogen mit herausgestellten Ellenbogen und einem unnatürlichen Hang zu seitlichen Bewegungen präsentiert, mutet spätestens nach der Hälfte unfreiwillig komisch an und spiegelt sicher nicht die Realität wieder.

Dass der Film dennoch über weite Strecken funktioniert liegt an der glaubhaften Darbietung Möhrings und einer tatsächlich ziemlich hohen Anzahl an komischen, wenig peinlichen Gags. Es macht großen Spaß, dem gestandenen, kernigen Typen Möhring dabei zuzusehen, weibliche Verhaltensformen, Gestiken und Mimiken an den Tag zu legen und mit – klassischerweise weiblich besetzten – Themen und Aspekten wie Mode und Körperpflege konfrontiert zu werden. Die Frau im Männerkörper spielt Möhring mit viel Leidenschaft und Experimentierfreude, ohne dabei allzu kokett und echauffiert zu wirken. Dazu gibt es viele witzige Szenen, etwa wenn sich Teresa (bzw. Möhring als im falschen Körper steckende Ehefrau) in der von Männern dominierten Welt des Fußballs behaupten muss oder wenn es zwischen dem Ehepaar zum ersten Sex kommt. Zum ersten Sex im Körper des anderen.

Fazit: Obwohl etliche abgenutzte Klischees bedient werden und vor allem Hauptdarstellerin Mina Tander in ihrer Rolle zum Overacting neigt, ist "Seitenwechsel" eine kurzweilige und immer wieder herrlich komische Komödie über die Eigen- und Besonderheiten von Mann und Frau.




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