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The Interview
The Interview
© Sony Pictures

Kritik: The Interview (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Was ist in den letzten Monaten nicht alles über "The Interview" gesagt und geschrieben worden? Nordkoreas Regierung sprach für den Fall einer Veröffentlichung wüste Drohungen aus. Das Filmstudio Sony Pictures sah sich mit einer empfindlichen Hacker-Attacke konfrontiert. Und der US-Start wurde aufgrund von Terrorwarnungen vorübergehend gestrichen, nach öffentlichem Druck – auch Präsident Obama machte sich für die Meinungsfreiheit stark – jedoch erneut bestätigt, sodass der Film schließlich in ausgewählten Kinos und auf Video-on-Demand-Plattformen zu sehen war. Turbulenzen mit wahrlich staatstragender Dimension, die umso grotesker anmuten, wenn man den Stein des Anstoßes, sprich die Komödie selbst, ins Auge fasst.

Nüchtern betrachtet, liefert das Regie-Gespann Seth Rogen und Evan Goldberg nämlich auch in "The Interview" das ab, was es am besten kann: brachial-wilde Gaga-Unterhaltung, die zwischen Rohrkrepierern und herrlich absurden Pointen hin- und herschwankt. Ganz im Geiste ihres hemmungslosen Weltuntergangsspaßes "Das ist das Ende", der 2013 die Neurosen der Hollywood-Stars ad absurdum führte. Ihr neuester Streich, der von einem Mordkomplott gegen Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (Randall Park) erzählt, will ganz einfach das Publikum bei Laune halten und ein wenig provozieren, weshalb er nur bedingt als messerscharfe politische Satire taugt.

Bis das abgedrehte Szenario allerdings auf Touren kommt, muss der Zuschauer erst einmal einige lauwarme Scherze über das amerikanischen Showbusiness und zahlreiche peinliche Anal-Witze über sich ergehen lassen. Obwohl der pubertäre Genitalhumor, wie bei Rogen und Goldberg üblich, auch im weiteren Verlauf ausreichend Platz erhält, schaltet der Film mehrere Gänge hoch, wenn die beiden Protagonisten – der quotengeile Fernsehmoderator Dave Skylark (James Franco) und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) – ihre Zelte in Kim Jong-uns Palast aufschlagen. Die Gags treffen nun häufiger ins Schwarze. Auch, weil die Macher den vermeintlichen Despoten als überdrehten Kumpeltypen zeigen, der von seinem Vater zu wenig Anerkennung erfahren hat. Die Verlogenheit des nordkoreanischen Unterdrückungsregimes steht fortan ebenso am Pranger wie das allseits bekannte Überlegenheitsdenken der USA und deren nicht selten oberflächliche Popkultur.

Selbst wenn zum Ende hin die üblichen Hollywood-Mechanismen greifen (Amis räumen auf!), bewahren sich Rogen und Co ein gutes Stück Unberechenbarkeit. Immerhin vermischt der Showdown auf schräge Weise eine duellartige Interview-Situation mit kruden Splatter-Einlagen und bewusst überzogenen psychoanalytischen Enthüllungen. Spätestens hier muss man sich noch einmal ernsthaft fragen, wie dieser Film bloß derart heftige Reaktionen hervorrufen konnte? Vielleicht nur deshalb, weil ihn zum Zeitpunkt der Diskussionen die wenigsten gesehen hatten.

Fazit: "The Interview" ist eine anarchische Buddy-Komödie, die schlecht aus den Startlöchern kommt, sich mit zunehmender Dauer allerdings steigert, ohne je die politische Brisanz zu erreichen, die das kontroverse Vorgeplänkel suggeriert.





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