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Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule
Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule
© imFilm

Kritik: Meine liebe Frau Schildt - Eine Ode an die Grundschule (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wenn die vierjährige Grundschulzeit zu Ende geht, werden Kinder, ihre Lehrer und Eltern in der Regel wehmütig. Für die Abschiedsfeier fasst man gerne die vielen einmaligen Momente seit dem ersten Schultag in Form einer Diashow zusammen. So ähnlich muss man sich den Dokumentarfilm von Nathalie David vorstellen. Auch er zieht stichpunktartig Bilanz über diese wichtige Zeit im Leben. Die individuellen Statements der Schüler und ihrer Lehrerin fügen sich mit Fotos und dem Filmmaterial von der letzten Klassenfahrt zu einer charmanten Collage. Sie weckt Erinnerungen an die eigene Grundschulzeit, und die ist wohl für die meisten Menschen, zumindest im Nachhinein, positiv besetzt.

Die Regisseurin, die auch die Kamera führt, beobachtet die Lehrerin und ihre Schüler nicht im Unterricht. Sie versteht ihren Film mehr als Essay darüber, wie die optimale Grundschule generell aussehen könnte. Die Pädagogin Dietlind Schildt erscheint nicht nur wegen ihrer langjährigen Erfahrung als ideale Interviewpartnerin, sondern auch weil ihre Schüler sie mögen. Sie schildert ihre Ansichten anhand von Stichworten in alphabetischer Reihenfolge, von Autorität über Ordnung und Partnerschaft bis zu Zeugnissen. Dabei entsteht das Porträt einer engagierten Pädagogin, die für ihre Kinder gelegentlich auch den Konflikt mit Eltern oder Vorgesetzten riskiert. Sie nennt die Pflicht, Hausaufgaben aufzugeben, "ein ungelöstes Problem" und bevorzugt eine Atmosphäre der Freiwilligkeit und Selbstverantwortung.

Die Regisseurin befragt auch die Kinder einzeln zu den verschiedensten Themen wie Lieblingsfächer oder Berufswünsche und legt darüberhinaus einem Stoffteddy Worte in den Mund: Sie stammen vom Philosophen Jean-Jacques Rousseau, der für eine ganzheitliche, liberale Pädagogik plädierte. Auch ein mit Fotografien unterlegter geschichtlicher Abriss der Grundschule bis zurück in die Kaiserzeit wird geliefert. Nicht alles an dieser Collage ist aussagekräftig: Eher unergiebig sind zum Beispiel Szenen eines Bühnenstücks am ersten Schultag oder Bilder von putzigen Haustieren. Der schnelle Rhythmus der Schnitte hat Ähnlichkeit mit einer Diashow und ermüdet auf Dauer. Statt die Lehrerin und ihre Klasse in direkter Interaktion zu erleben, sieht man sie meistens nur auf kurzen Aufnahmen beim Erkunden der Natur auf der Klassenreise. Dennoch bietet der filmische Zettelkasten ein wenig mehr als nur ein Erinnerungsalbum für diese eine Klasse. In seiner Gesamtheit ergibt er eine Schlussfolgerung, die auch Botschaft zugleich ist: Die Grundschule muss sich im leistungsbezogenen Bildungssystems unbedingt Freiräume sichern, in denen es um spielerische Kreativität und ums Miteinander geht.

Fazit: In Nathalie Davids Dokumentarfilm sprechen eine erfahrene Lehrerin und ihre Viertklässler darüber, wie sie die Grundschule erleben. Ihre Reflexionen betonen die Bedeutung einer ganzheitlichen, liberalen Pädagogik.





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