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Kritik: Viva la Libertà (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Viva la liberta" verfilmte der italienische Autor und Regisseur Roberto Andò seinen eigenen Roman. Der Film wurde insgesamt zwölfmal für den David di Donatello-Preis, die wichtigste italienische Film-Auszeichnung, nominiert und gewann schließlich sechs der begehrten Trophäen. Nun ist die Idee vom eineiigen Zwillingsbruder, der in die Fußstapfen seines charakterlich so ganz anders gepolten Bruders schlüpft, nicht wirklich bahnbrechend und neu (siehe "Dave" mit Kevin Kline) - dennoch gelingt Andò eine gelungen schwarzhumorige Satire auf den italienischen Polit-Zirkus mit einem großartig aufgelegten Hauptdarsteller Toni Servillo ("La grande bellezza"). Auch wenn "Viva la liberta" nach der Hälfte der Spielzeit an Biss und Substanz verliert.

Der Politik-Betrieb schreibt seine ganz eigenen skurrilen Geschichten und verfährt nach Regeln und Normen, die für den Laien nach außen nicht immer ganz leicht zu durchschauen und verständlich sind. Da erhöhen die Politiker mal eben schnell ihre eigenen Diäten, wie kürzlich im deutschen Parlament geschehen. Oder da wird eine Nation jahrelang von einem sex-süchtigen, selbstverliebten Exzentriker regiert, wie in Italien mit Berlusconi geschehen. "Viva la liberta" versteht sich als Film für alle Politik-Verdrossenen einer durch die Ära Berlusconi gebeutelten Nation. Getragen wird er von dem Schauspieler der Stunde, Toni Servillo, der in einer Doppelrolle und - nach Paolo Sorrentinos "Il Divo - Der Göttliche" - hier erneut als italienischer Politiker auftritt. Es ist großartig zu beobachten, wie sich die Brüder Enrico und Giovanni in Gestik und Mimik unterscheiden, wie nuanciert und fein Servillo die individuellen Eigenarten und Spleens herausarbeitet.

Auf der einen Seite steht der depressive, politik-müde Enrico, der von der Bildfläche verschwindet und bei einer früheren Geliebten untertaucht. Auf der andere Seite der schöngeistige Philosoph Giovanni, der mit den politischen Gepflogen- und Besonderheiten natürlich nicht vertraut ist aber dennoch schnell Gefallen an der politischen Arbeit findet. Und auch das Volk ist schnell von ihm angetan. Dabei zeigt Regisseur Andò, wie es heutzutage gelingen kann, als Politiker die Menschen für sich zu gewinnen: beim Volk kommt nicht der steife, biedere Redenschwinger und Phrasendrescher gut an, sondern der weltoffene, ehrliche und nicht in Floskeln sprechende Politiker, der die Probleme genau benennt. Dabei ist es natürlich wenig glaubwürdig, dass die Parteikollegen, Journalisten und die Menschen sich nicht allzu sehr wundern, wieso Enrico (also in Wahrheit Giovanni) plötzlich so verändert auftritt und unerwartet ganz neue Thesen und Ansichten vertritt. Auch lässt Andò in der zweiten Hälfte den Biss und schwarzen Humor der ersten Stunde vermissen. In dieser zweiten Hälfte gerät der Film auch ein wenig ins Stocken, wenn sich vor allem bei Enrico in Paris - also dem ersten Handlungsstrang - nicht mehr allzu viel tut und spannende Entwicklungen sowie Wendungen Mangelware bleiben.

Fazit: Bissige Satire auf die aktuelle Polit-Verdrossenheit mit einer schwarzhumorig-bösen, starken ersten Hälfte und einem famos agierenden Hauptdarsteller Toni Servillo in einer Doppelrolle, der die Story-Schwächen gegen Ende wieder ausgleicht.




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