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The Boy Next Door
The Boy Next Door
© Universal Pictures International Germany

Kritik: The Boy Next Door (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Halbwegs überzeugend ist an Rob Cohens Stalking-Thriller eigentlich nur das Abschneiden am US-amerikanischen Box Office. 35 Millionen Dollar können sich schließlich sehen lassen, wo der Film doch nur schlappe 4 Millionen gekostet hat. Ansonsten fällt es schwer, "The Boy Next Door" etwas Positives abzugewinnen, da er von lustloser Routine bis hin zu himmelschreienden Peinlichkeiten alles zu bieten hat, nur keine mitreißend-einprägsamen Momente. Und das, obwohl der Reißer so gerne das bedrohlich-brodelnde Erotikthriller-Kino der achtziger und neunziger Jahren wiederbeleben möchte. "Eine verhängnisvolle Affäre" und "Basic Instinct" lassen deutlich grüßen, bleiben jedoch Vorbilder, denen Cohens Genre-Abklatsch in Katalog-Ästhetik zu keiner Zeit das Wasser reichen kann.

Ärgerlich ist schon die Qualität des Drehbuchs, das von der früheren Staatsanwältin Barbara Curry, also einer Frau mit Sachverstand, verfasst wurde, dummerweise aber eine abgedroschene Standardsituation an die nächste reiht und die Figuren immer wieder zu vollkommen idotischen Handlungen zwingt. Das springt umso mehr ins Auge, weil der Film durchweg mit effektiven Spannungsmomenten geizt. Dass der Zuschauer nicht ernsthaft mitfiebern kann, liegt sicher auch an den mitunter lächerlichen Dialogen, die zwischen banalen Wortspielen (bestes Beispiel: "Bei uns war es feucht") und aufgesetzten Literaturzitaten schwanken. Stalker Noah entpuppt sich als ausgewiesener Kenner der "Ilias" und nutzt den Klassiker, um Claire (eine Literaturlehrerin, was sonst!?), sein Objekt der Begierde, auf kommendes Unheil vorzubereiten. Was clever wirken soll, ist allerdings nicht mehr als ein hilfloser Aufwertungsversuch, mit dem der formelhafte Suburbia-Thriller weitere Glaubwürdigkeit verspielt.

Für einige eher ungewollte Lacher ist neben den Drehbucheskapaden auch Cohens Inszenierung gut. Gerade im ersten Drittel rückt der Regisseur ständig und allzu offensichtlich die körperlichen Vorzüge seiner Hauptdarsteller in den Mittelpunkt. Ryan Guzman mit nacktem Oberkörper und Jennifer Lopez in luftigen Sommeroutfits oder knappen Nachthemden. Verschüchterte Erotikanflüge, die dem Zuschauer vor allem eine Gewissheit liefern: J.Lo sieht auch mit 45 noch frisch und blendend aus. Eine Erkenntnis, die den Machern – der Star des Films war auch als Mitproduzentin involviert – besonders am Herzen zu liegen scheint.

Fairerweise sollte man erwähnen, dass Cohen, der unter anderem "The Fast and the Furious" inszenierte, trotz spärlicher Mittel einige passable Actionszenen in den Kasten bringt. Das alleine genügt freilich nicht, um die zahlreichen Unzulänglichkeiten auszugleichen, die "The Boy Next Door", beginnend mit einer plumpen Exposition, aufeinandertürmt. Traurig, dass Jennifer Lopez diesen Psycho-Quark für ihr Spielfilm-Comeback ausgewählt hat (laut Presseheft wohl auch auf Drängen ihres neuen Agenten hin).

Fazit: Eine komplett vorhersehbare Handlung, hohle Dialoge, ein 08/15-Inszenierungsstil und unbeholfene Ausflüge in klassische Literaturgefilde – der Stalking-Thriller "The Boy Next Door", mit dem Jennifer Lopez nach zweijähriger Kinopause auf die Leinwand zurückkehrt, versagt auf ganzer Linie.




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