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Finding Vivian Maier
Finding Vivian Maier
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Kritik: Finding Vivian Maier (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit wenigen Hinweisen startet John Maloof seine Suche nach Vivan Maier. Zettel mit Telefonnummern und die Motive ihrer Bilder verweisen darauf, dass sie in Chicago gelebt hat, also setzt er sich ans Telefon und findet nach einiger Zeit eine Frau, die sich an die Nanny des Nachbarn erinnerte. Erst in diesem Moment erfährt John Maloof, dass die Frau, deren Hinterlassenschaft auf eine Künstlerin hindeutet, tatsächlich eine Nanny und Haushälterin war. In Gesprächen mit Erwachsenen, auf die Vivian Maier einst aufgepasst hat, ehemaligen Arbeitgebern und Bekannten lernt er langsam eine Frau kennen, der niemand wirklich nahe gekommen ist. Geboren im Februar 1926 ist über ihre Kindheit und Jugend kaum etwas bekannt, selbst ein Genealoge findet über diese frühen Jahre kaum etwas heraus. Anscheinend verließ ihr Vater ihre Mutter, die aus Frankreich stammte, der Rest der Familie ist aufgrund geheimnisvoller Vorkommnisse zerstritten gewesen. Erst in den 1950er Jahren finden sich Hinweise auf Vivians Leben – Kinder, auf die sie aufgepasst hat, vor allem aber Bilder, die aus dieser Zeit stammen. Und so zeichnet John Maloof nach und nach das Leben einer Frau nach, die schon immer exzentrisch, mit zunehmendem Alter aber mürrischer, härter und "verrückter" wurde. Von Anfang an klingt in den Unterhaltungen an, dass Vivian eine dunkle Seite hatte – es zog sie in gefährliche Viertel, Slums und zu düsteren Zeitungsgeschichten –, je älter sie wurde, desto unbeherrschter wurde sie wohl. So berichten Kinder, sie seien schon einmal ‚versehentlich’ in einem Keller eingeschlossen worden, oder eine Frau erzählt, Vivian hätte sie gezwungen, Essen in sich hineinzustopfen. Einig sind sich alle, dass dieses Verhalten auf ein Kindheitstrauma hindeutet, über das Vivian niemals gesprochen hat. Auch der Film schließt diese Brüche in der Biographie nicht, sondern belässt es glücklicherweise bei dem ambivalenten Bild von Vivian Maier, die die einen als feinfühlig, andere als aufdringlich, manche als einfühlsam und andere als grausam beschreiben.

Neben der Nanny und Haushälterin gibt es noch die Fotografin Vivian Maier. Ihre Bilder zeugen von einem eigenen Blickwinkel, einem Gespür für Komposition und den Moment. Beständig versucht John Maloof daher, Museen für die Fotografien zu begeistern, aber sie haben kein Interesse an den Bildern einer unbekannten Künstlerin. Erst durch einen Blog und das erwachende Interesse im Internet werden Galerien auf Vivian Maier aufmerksam und stellen ihre Bilder mit großem Erfolg aus. Deshalb rück im Verlauf des Films die Frage in den Mittelpunkt, warum Vivian Maier niemals versucht hat, ihre Bilder zu veröffentlichen und ob ihr der Ruhm gefallen hätte. Auch hier kann die Antwort nicht eindeutig ausfallen: Sicher war ihr Privatleben ihr wichtig, aufbewahrt hat sie die Bilder dennoch und nun sind sie einer großen Öffentlichkeit zugänglich. Und selbst wenn der Rummel um ihre Person ihr vermutlich nicht gefallen hätte – die Anerkennung für ihre Bilder vielleicht schon.

Inszenatorisch ist "Finding Vivian Maier" konventionell: John Maloof und Charlie Siskel montieren Interviews und Bilder, sie dokumentieren ihre Recherche, einiges ist mit zu aufdringlicher Musik unterlegt. Dennoch ist diese Dokumentation sehr spannend, weil sie zwei Geschichten – die der Fotos und des Lebens von Vivian Maier – in einer geschickten Dramaturgie und gut gewählten Chronologie erzählt.

Fazit: "Finding Vivian Maier" ist eine gut erzählte und spannende Dokumentation über eine faszinierende Frau, deren Fotos posthum die Geschichte der Straßenfotografie veränderte.




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