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The Diary of a Teenage Girl
The Diary of a Teenage Girl
© Sony Pictures

Kritik: The Diary of a Teenage Girl (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt der amerikanischen Regisseurin Marielle Heller basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Phoebe Gloeckner. Die Geschichte wird aus der Perspektive der jungen Protagonistin Minnie erzählt und bricht mit dem tradierten Rollenbild, wonach der Wunsch nach Sex nur für die männlichen Teenager typisch ist. Heller fiel auf, dass einschlägige Jugendfilme oft zur Identifikation mit den hitzigen Jungs einladen, die zurückhaltende Mädchen herumkriegen wollen. Im Gegensatz dazu fand sie, dass Gloeckners Buch die Gefühlslage eines jugendlichen Mädchens frei von Konventionen und wunderbar aufrichtig schildert. Minnies pubertäre Rebellion bekommt mit den bewegten 1970er Jahren auch einen passenden Hintergrund. Die Hippies gehören zum Straßenbild von San Francisco, allen steht der Sinn nach Freiheit, Aufbruch, Drogen.

Minnies private sexuelle Revolution entspricht also in gewisser Weise dem damaligen Zeitgeist. Aber sie könnte natürlich auch heute so ablaufen, wobei es dann wohl noch schwerer fallen würde, die Affäre einer Minderjährigen mit dem Freund der Mutter einmal nicht unter dem Aspekt des sexuellen Missbrauchs zu betrachten. Minnie ist die treibende Kraft – und das auf ganz unschuldige Weise, von Neugier auf die eigene Sexualität angespornt. Und von der Angst, dass niemand sie liebt, dass sie nicht attraktiv genug sein könnte. Mit feinem, treffendem Humor fängt der Film ihre Teenager-Mentalität ein, etwa wenn sie auf Band spricht. Die britische Schauspielerin Bel Powley ist eine Wucht, sie pendelt sehr authentisch zwischen Schüchternheit und Triumphgefühl, Unsicherheit und Mut. Alexander Skarsgard spielt Monroe ebenfalls sehr interessant, als einen Verlierertypen mit Herz, der ausgesprochen sympathisch wirken kann. Auch Kristen Wiig gibt als Minnies unreife Mutter eine starke Vorstellung und stellt sie trotz ihrer Schwächen als echte Persönlichkeit dar.

Die flippige Mode von damals mit ihren Schlaghosen, das Zugedröhntsein als Ausdruck von Feierlaune, die Musik und Minnies Ausflüge ins Nachtleben ergeben eine intensive Retro-Stimmung, die fröhlich-naive und dunkle Komponenten vereint. Manchmal begegnet Minnie, das Zeichentalent, selbst geschaffenen Figuren, die zum Leben erwachen. "The Diary of a Teenage Girl" ist ein Film, der seinem Titel ohne falsche Töne gerecht wird und eine Hauptfigur präsentiert, die trotz ihrer prekären Handlungen so normal und dabei komplex gezeichnet ist, dass sich wohl viele Zuschauerinnen in ihr wiedererkennen können.

Fazit: Das Coming-of-Age-Drama über eine 15-Jährige, die aus sexueller Neugier eine Affäre mit dem Freund ihrer Mutter beginnt, schildert den pubertären Seelenzustand aus der Warte eines Mädchens verblüffend treffsicher, lebhaft und humorvoll. Der ungewöhnliche Film ist stilvoll in die ausklingende Hippie-Ära eingebettet und verfügt über eine starke Besetzung, die von der überragenden Hauptdarstellerin Bel Powley angeführt wird.




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