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Kritik: Sturmland (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Sturmland" ist der erste abendfüllende Film des ungarischen Regisseurs Adam Csaszi, der 2014 seine Premiere im Rahmen der Rubrik Panorama auf der Berlinale feierte. Es handelt sich bei dem Film um eine deutsch-ungarische Koproduktion. Inspirieren ließ sich der Filmemacher dabei von einer wahren Begebenheit: ein junger Mann wurde in Ungarn wegen seiner Homosexualität tot geschlagen. Um auf diese traurige Geschichte aufmerksam zu machen und künftige Vorfälle dieser Art zu verhindern, nahm sich der 36-jährige Regisseur, der an der renommierten Budapester Film- und Theaterhochschule studierte, des Themas an. Mit "Sturmland" gelingt Csaszi ein wichtiger Film, da in Ungarn Homosexualität immer noch zu weiten Teilen verpönt ist. Er beweist Gespür für die emotionale Achterbahnfahrt seiner Hauptfigur und die überzeugenden Jungdarsteller vermitteln das Gefühlschaos mit konzentriertem, authentischem Spiel.

Die ersten 20 Minuten mutet "Sturmland" wie ein klassisches Jugend-Sportdrama an. Immer wieder fängt Regisseur Csaszi packende Duelle auf dem Rasen ein, die er flott und kraftvoll in Szene setzt. Dabei flackern bei Szabolcs erste (unterdrückte) Gefühle immer wieder im Kontext seiner fußballerischen Tätigkeit auf, welche durch Nahaufnahmen des (verunsicherten) Gesichts verdeutlicht werden, wie z.B. beim Duschen mit den Mannschaftskollegen oder wenn Szabolcs mit verstohlenen Blicken immer wieder bestimmte die Kollegen ansieht. Doch der talentierte junge Sportler schenkt diesen Anzeichen zunächst keine größere Bedeutung. Völlig aus der Bahn werfen ihn nach seiner Rückkehr in die Heimat jedoch seine Gefühle für Aron, mit dem er immer mehr Zeit verbringt.

Regisseur Csaszi beweist großes Gespür für die seelischen Nöte und Leiden seiner jungen Protagonisten, die er zu jedem Zeitpunkt ernst nimmt. "Sturmland" befasst sich glaubwürdig und mit viel Gefühl mit dem Themenfeld der Suche nach der eigenen Identität. Kontrastiert werden die ruhigen Bilder von den erotischen Momenten zwischen den drei Männern immer wieder von Aufnahmen (etwa die unterkühlten Szenen von den Gebeten in der örtlichen Kirche), die verdeutlichen, dass die rückständigen Ansichten und bürgerlichen Lebensweisen der übrigen, strenggläubigen Dorfbewohner es den drei Homosexuellen alles andere als leicht machen, offen zu ihren Gefühlen zu stehen.

Fazit: Stilvolles, leise erzähltes Jugend-Drama mit viel Gespür für die emotionalen Aufgewühltheiten der jungen Hauptpersonen.





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