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The First Avenger: Civil War
The First Avenger: Civil War
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: The First Avenger: Civil War (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In letzter Zeit haben es Superhelden wirklich schwer. Neuerdings macht ihnen nicht mehr bloß das Böse dieser Welt zu schaffen, sondern auch die eigene Spezies. Erst kürzlich standen sich in Zack Snyders "Batman v Superman: Dawn of Justice" zwei Comic-Ikonen als Kontrahenten gegenüber. Ein Schicksal, das nun auch die Protagonisten des Marvel Cinematic Universe ereilt, das mit dem dritten Captain-America-Abenteuer – gleichzeitig dem dreizehnten Beitrag der fortlaufenden Filmreihe – in seine nunmehr dritte Phase eintritt. Den Regiebrüdern Anthony und Joe Russo gelingt es dabei im Vergleich mit Snyders Actionblockbuster, die Auseinandersetzung der Superhelden besser zu motivieren. Und noch dazu wirkt die Balance zwischen atemberaubenden Kampfsequenzen und figurenzentrierten Momenten in "The First Avenger: Civil War" ein wenig ausgewogener, was den neuen Marvel-Streifen zu einem höchst unterhaltsamen Kinoerlebnis macht.

Im Zentrum des Films steht der Konflikt zwischen Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans) und Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.), die sich nach vielen gemeinsam geschlagenen Schlachten über die Ausrichtung der Avengers-Gruppe nicht mehr einig sind. Während es der von Schuldgefühlen geplagte Stark begrüßt, dass US-Außenminister Thaddeus Ross (William Hurt) die Superheldentruppe in Zukunft von den Vereinten Nationen kontrollieren lassen will, sieht Rogers eine Unterordnung äußerst kritisch. Seiner Meinung nach müssen die Avengers um jeden Preis unabhängig bleiben, damit sie in Bedrohungslagen schnell und ungezwungen handeln können. Eine Haltung, die verständlich, aber ebenso selbstgerecht erscheint. Besonders dann, wenn man sich die vielen zivilen Opfer vor Augen führt, die bei den Rettungsmissionen oftmals zu beklagen sind. Wie in "Batman v Superman" drängen sich hier unweigerlich zwei Fragen auf: Sollten für Superhelden wirklich Sonderrechte gelten? Oder müsste man sie für ihr mitunter verheerendes Wirken knallhart in die Pflicht nehmen?

"The First Avenger: Civil War" spielt mit dieser Diskussion auf das häufig kritisierte Selbstverständnis der USA als Weltpolizist an und verpasst seinen eigentlich überlebensgroßen Figuren einen etwas menschlicheren Anstrich. Nicht die schlechteste Idee im häufig gigantomanischen Blockbuster-Einerlei der Marke Hollywood. Stimmig wirkt auch die Zeichnung des geheimnisvollen Zemo, der als Antagonist im Hintergrund eigene Pläne verfolgt. Die Gründe für sein durchtriebenes Handeln sind zwar nicht sonderlich originell, fügen sich allerdings überzeugend in den Kontext der Marvel-Reihe ein. Daniel Brühl, den man bislang nicht wirklich mit Schurkenrollen in Verbindung bringen konnte, gibt den Schattenspieler angemessen zwielichtig und hat in manchen Szenen sogar eine erstaunlich bedrohliche Ausstrahlung.

Ähnlich wie in "The Return of the First Avenger", dem zweiten Captain-America-Film, hält die Geschichte einige Überraschungen bereit, ist insgesamt aber etwas unsauberer zusammengenäht. Schauplatzwechsel sind beispielsweise nicht immer nachvollziehbar. Und auch die Anbahnung zwischen Steve Rogers und der Agentin Sharon Carter (Emily VanCamp) wirkt reichlich aufgesetzt. Unter dem Strich legen die Russo-Brüder jedoch erneut ein kurzweilig-spannendes Superheldenabenteuer vor, das natürlich nicht auf fulminante Actionpassagen verzichten muss. Äußerst gelungen ist etwa die große Konfrontation der beiden konträren Avengers-Parteien, die sich am menschenleeren Flughafen Leipzig/Halle abspielt. Eine spektakuläre Keilerei, bei der vor allem die Neuzugänge im Marvel Cinematic Universe glänzen können. Auch wenn der Witz, der die Reihe bisher ausgezeichnet hat, im dritten Captain-America-Streifen etwas spärlicher gesät ist, bricht er zumindest in dieser Sequenz ungebremst hervor.

Fazit: Nach dem aufregenden Paranoia-Actionthriller "The Return of the First Avenger" kehrt das Regie- und Brudergespann Anthony und Joe Russo mit einem weiteren überzeugenden Superhelden-Blockbuster auf die große Leinwand zurück. So darf es im Marvel-Universum gerne weitergehen!





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