VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Zärtlichkeit
Zärtlichkeit
© Salzgeber & Co

Kritik: Zärtlichkeit (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Zärtlichkeit" ist der neueste Film der erfahrenen belgischen Regisseurin Marion Hänsel ("Schwarzer Ozean", "Als der Wind den Sand berührte"), die hier einen intensiven Hybriden aus leisem Familienfilm, Drama und Roadmovie vorlegt. Der Film erzählt auf einfühlsame Art und Weise vom Zusammentreffen eines früheren Ehepaares, das die kurze gemeinsame Zeit dazu nutzt, um in Erinnerungen zu schwelgen und sich wieder anzunähern. Hänsel gelingt eine ehrliche, großartig gespielte Beziehungs-Studie, die unbedingt sehenswert ist.

Als Zuschauer muss man sich einlassen auf einen handlungs- und wendungsarmen Film, der sich nicht lange mit Erklärungen oder Rückblenden aufhält. Und so erfährt man nahezu nichts über die Vergangenheit von Lisa und Frans, über ihre frühere Ehe und was die Beziehung zum Scheitern brachte. In kurzen Zwischentönen wird lediglich deutlich, dass Frans die Familie vor Jahren verlassen hat, ohne jedoch näher auf die Hintergründe einzugehen. Regisseurin Hänsel interessiert die Gegenwart, das Hier und Jetzt, sprich: die Reise der beiden Geschiedenen zu ihrem Sohn, der in einem Krankenhaus im weit entfernten Skiort in den französischen Alpen liegt. Der Film verlangt vom Zuschauer auf die Zwischentöne zu achten, auf leise Andeutungen und Hinweise auf die Vergangenheit, die z.B. in den vorsichtigen Neckereien von Frans zum Vorschein kommen.

Mutig ist es zudem, dass der Film nicht mit einer glückseligen Wiedervereinigung der Familie schließt. Es geht lediglich um die kurze gemeinsame Zeit, um das kurze Miteinander und dass man einen Augenblick der Gegenwart miteinander teilen und verleben kann. Dass Frans und Lisa einst sicher gute Gründe hatten, sich ineinander zu verlieben, machen schon die ersten Begegnungen der Zwei deutlich. Liebevoll und zart gestalten sich die Gespräche zwischen Lisa und Frans. Die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, ist anrührend.

"Zärtlichkeit" ist kein Film, bei dem es um das Überwinden von Dramen, Problemen oder Unwegbarkeiten geht. Vielmehr zeigt er die Normalität, fast schon das Belanglose des Alltags, ohne dabei jedoch zu langweilen. Dieser Umstand ist nicht zuletzt auch dem hervorragendem Spiel der beiden Hauptdarsteller Maryline Canto und Olivier Gourmet zu verdanken.

Fazit: Intimer, zärtlicher Einblick in das Innenleben einer Familie, die auf einer langen Reise wieder zueinander findet. Dank der starken Darsteller und der ruhigen, unaufgeregten Inszenierung in jedem Fall sehenswert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.