VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Kathedralen der Kultur
Kathedralen der Kultur
© NFP marketing & distribution © Filmwelt

Kritik: Kathedralen der Kultur (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 156 Minuten lange Dokumentarfilm mit seinen sechs Episoden verschiedener Regisseure ist eine Hommage im doppelten Sinn. Er zelebriert bedeutende Werke der Architektur und lotet gleichzeitig die Spielräume des Filmens in 3D aus. Wim Wenders, der als einer von wenigen europäischen Regisseuren als engagierter Verfechter der 3D-Technik gilt, noch dazu im Dokumentarbereich, initiierte das Projekt und fungierte als ausführender Produzent. Bei der Erkundung der Bauwerke versuchen die Filmemacher den besonderen Geist der Häuser einzufangen.

Ursprünglich war der Dokumentarfilm als eine Reihe von halbstündigen Einzelbeiträgen für das 3D-Fernsehen geplant. Aber dann verschwand dieses groß angekündigte Medium zumindest vorübergehend wieder in der Versenkung. Leider gelang es nicht optimal, das Konzept zum Kinoerlebnis umzufunktionieren: Ob im Ganzen oder als zweiteilige Fassung betrachtet, wirkt es wie ein Kompromiss. Denn der erzählerische Stil der Episoden wiederholt sich in einigen Aspekten und die inhaltlich zu wenig abgestimmte Aneinanderreihung ermüdet.

Gemeinsam ist den Episoden, dass eine Voice-Over-Stimme erzählt, die meistens in der Ich-Form für das Gebäude selbst spricht. Das gilt zum Beispiel für den Beitrag von Wenders, dem Meret Becker ihre Stimme leiht. Glawoggers Sprecher liest aus literarischen Werken. Redford lässt verschiedene Personen erzählen, Salk, Kahn und heutige Mitarbeiter des Instituts. Bei Madsen sprechen das Gefängnis und seine einzelnen Räume in der Ich-Form, während im ganzen Film bis auf wenige kurze Ausnahmen alle menschlichen Stimmen ausgeblendet bleiben. Überhaupt fehlen in den Beiträgen menschliche Dialoge, selbst bei Olin, die sich weniger für die Architektur interessiert, als dafür, wie die Künstler das Haus mit Leben füllen. In den anderen Beiträgen streift die Kamera vor allem ausgiebig durch die Gänge, erkundet Fassaden, Decken, Höfe. Redfords Film beeindruckt, weil er das nüchterne Gebilde aus Beton, das wie ein Rohbau wirkt, als verschachteltes, durchbrochenes Labyrinth mit Blick auf den Himmel und den Ozean präsentiert.

Einige Häuser sind in erster Linie architektonisch interessant, wie die Berliner Philharmonie oder das Centre Pompidou. Andere laden zum Erkunden ihrer Geheimnisse ein. Die Russische Nationalbibliothek mit ihren Etagen voller eng stehender Holzregale und den grünen Tischlampen im Lesesaal fasziniert atmosphärisch. Die Episode über das Halden-Gefängnis lebt von der Spannung, die die Themen Kriminalität und Haft erzeugen, sowie vom Kontrast zwischen dem Grau der Mauern und der vielfältigen Ausstattung dieser als fortschrittlich gepriesenen Anstalt.

Fazit: Der episodische Dokumentarfilm von Wim Wenders, Michael Glawogger, Michael Madsen, Robert Redford, Margreth Olin und Karim Aïnouz ist eine 3D-Hommage an die Kunst der Architektur. Der Reiz der einzelnen Beiträge kommt in gebündelter Form jedoch nicht optimal zur Geltung.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.