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Kritik: Still (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine universelle Geschichte über eine junge, selbstbewusste Bauerntochter, die ihren Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben frei von jeglichen Zwängen konsequent verfolgt, erzählt die Langzeit-Doku des Münchener Filmemachers und Dokumentaristen Matti Bauer, der für "Still" die Protagonistin mehr als zehn Jahre mit der Kamera begleitete und sie in dieser Zeit immer wieder für lange Phasen auf einer abgeschiedenen Alm im bayerischen Oberland besuchte. Heraus kommt eine intensive, mit meditativen Schwarz-Weiß-Bildern ausgestattete filmische Langzeitstudie, die über den gesamten Zeitraum ihrer Länge fasziniert.

Im Zentrum von "Still" steht die Bauerntochter Uschi, die auf dem elterlichen Hof schon früh in Kontakt trat mit harter körperlicher Arbeit, der Umwelt und einem starren Lebensrhythmus, vorgegeben von den Tieren und dem landwirtschaftlichem Produktionsbetrieb. Als junge Erwachsene verlässt Uschi den Hof der Eltern, um auf einer abgeschiedenen Alm in den Bergen weit weg von den Eltern ein Leben in Einklang mit der Natur zu führen. Auf dieser Alm lebt die Frau ein sehr einfaches, ruhiges Leben weit abseits jeglicher Zivilisation und ganz ohne die fortschrittlichen Technologien der neuen Medien. Zu sorgen hat Uschi für sich und die Tiere der Alm, für die sie die Verantwortung übernommen hat. Uschi kann jedoch nicht gänzlich verdrängen, dass die Zukunft des elterlichen Hofes nach wie vor ungeklärt und sie von den Eltern eigentlich fest als Nachfolgerin und damit als Zukunft des Hofes eingeplant ist.

Ein Zeitsprung in den darauffolgenden Winter: Uschi ist mittlerweile schwanger und wieder zum Hof der Eltern zurückgehkehrt. Ihr Freund hat sie verlassen. Und während die Eltern ihre Tochter auf die Übernahme des Betriebes vorbereiten wollen, denkt Uschi wehmütig an den letzten Sommer zurück, den sie in stiller Einsamkeit in den Bergen verbrachte.

Diese Wehmut und Melancholie durchzieht den kompletten Film von Regisseur Matti Bauer. Es gehört schon sehr viel Akribie und Interesse, oder besser: Leidenschaft für ein Thema und auch die involvierten Personen dazu, ein derart langes, sich über viele Jahre erstreckendes Film-Projekt umzusetzen. Bauer gelingt dies auf packende Weise, auch wenn seine elegische Erzählweise an manchen Stellen ein wenig schwerfällig und behäbig wirkt. Die Kamera ist stets ganz nah dabei, um die Entwicklung von Uschi und ihren Eltern im Laufe der Jahre aufzuzeigen und deutlich zu machen.

Am intensivsten gestaltet sich wohl der Abschnitt, der die junge Bäuerin einen Sommer lang zeigt, wie sie ihr einsames, aber letztlich doch erfüllendes Leben in den Bergen meistert. Dabei ist ihr Arbeitsalltag von harter Arbeit geprägt, die sie bereits aufgrund ihrer Kindheit und Jugend am Hof der Eltern kennt. Uschi buttert, erntet, produziert ihren eigenen Käse, macht Schnaps und kümmert sich liebevoll um die vielen Tiere des Guts. Dabei schwingt immer auch ein großes Stück Schwermut mit, denn Uschi weiß, dass sie sich früher oder später der Verantwortung der Übernahme des elterlichen Hofs stellen muss. Regisseur Bauer gelingt es dennoch, den beharrlichen Optimismus und die unerschütterliche Lebensfreude der Frau - trotz aller Zukunftsangst - einzufangen.

Fazit: Ruhige, gefühlvolle filmische Langzeitstudie über eine junge Frau und ihren Traum vom individuellen, selbstbestimmten Leben.





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