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Kritik: Jimmy's Hall (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Jimmy’s Hall" ist nach Aussage von Ken Loach der wohl letzte Film des mittlerweilen 79-jährigen. Das Kino verliert damit einen Filmemacher, der sich ohne Zynismus und Härte sozialen Themen widmet – und jenseits von Verbitterung an die Kraft des Idealismus glaubt.

Mit "Jimmy’s Hall" kehrt Loach in das Land und die Zeit zurück, in der auch sein Cannes-Gewinner "The Wind that Shakes the Barley" von 2006 angesiedelt war. Ruhig, geradlinig und von historischen Ereignissen inspiriert erzählt der Film die Geschichte des Iren Jimmy Gralton. Nachdem er bereits einmal vor der Verfolgung der Kirche und des rechten Arms der IRA fliehen musste, kehrt er nach Irland zurück und will eigentlich ein ruhiges Leben führen. Ermuntert von den jungen Bewohnern seines Dorfes macht er sich dann jedoch an die Wiederöffnung der Pearse-Connolly-Hall (benannt nach den Anführern der Osteraufstände von 1916). Im Grunde genommen schafft er damit nur einen Ort, an dem sich die Menschen treffen können, an denen sie kostenlose Kurse besuchen und tanzen können. Aber die Kirche und Faschisten fürchten Jimmys Umtriebe, noch dazu hat er die Musik und Tänze aus den USA mitgebracht. Jazz und Shim Sham könnten die Sitten verderben, die irische Kultur würde ‚Los-Angelisiert‘ befürchtete der örtliche Priester Sheridan (Jim Norton). Deshalb nennt er die Besucher von Jimmy’s Hall namentlich im Gottesdienst und stellt sie somit an den Pranger, ja, er bezeichnet Jimmy sogar als Antichrist. Dabei übersieht er indes, dass es den Menschen vor allem darum geht, für eine kurze Zeit ihre Armut zu vergessen.

Von Barry Ward gut gespielt ist Jimmy Grafton ein Mensch, der an das Gute glaubt, ohne naiv zu sein, und der anderen helfen will. Deshalb trotzt er allen Widerständen und hält unbeirrbar an seinen Überzeugungen fest. Allerdings unterlässt es Loach, seine Geschichte in den größeren Rahmen des Kampfes der Iren um Freiheit gegenüber der Kirche und den Großgrundbesitzern einzubetten, so dass die anfangs eingeblendeten Tafeln mit Hintergrundinformationen fast pflichtschuldig wirken. Auch fehlt es dem Film an differenzierter Charakterzeichnung – Jimmy und seine Freunde sind allesamt gut, die Gegenspieler durchweg böse, ohne dass über sie mehr zu erfahren ist. Einzig Jim Norton gelingt es hier durch sein Schauspiel, eine andere Seite des Priesters durchschimmern zu lassen.

Diese Behaglichkeit spiegelt sich auch in den Dialogen wider, die oftmals steif und zu betont gesprochen sind. Dadurch wirken sie wie aufgesagt und nicht immer kann der gute Cast dagegen etwas ausrichten. Gerade bei Jimmys Rede vor den Farmern fehlt Lebendigkeit und Dynamik, sie wäre sonst fraglos der (emotionale) Höhepunkt des Films geworden. Dennoch ist "Jimmy’s Hall" kein schlechter Film, gerade die Tanzszenen in der Gemeindehalle sind wunderbar und der Tanz von Jimmy und seiner geliebten Oonagh (Simone Kirby) ist berührend. Daher ist dieser Film gerade durch seine unbeirrte Ruhe schön anzusehen.

Fazit: In seinem vermutlich letzten Film kehrt Ken Loach nach Irland in den 1930er Jahren zurück und erzählt in ruhigen Tönen von dem unbeirrbaren Idealismus eines Mannes.





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