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Milo  Forman - What doesn't kill you
Milo Forman - What doesn't kill you
© barnsteiner-film © Dualfilm Verleih

Kritik: Miloš Forman - What doesn't kill you (2009)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nicht bei jedem Künstler sind Rückschlüsse vom Leben aufs Werk ratsam, bei Miloš Forman sind sie hingegen erhellend. Wer Miloslav Šmídmajers Dokumentarfilm, der mit einigen Jahren Verspätung in die deutschen Kinos kommt, gesehen hat, wird Formans Filme ein wenig besser verstehen. Die Erfahrungen des 1932 in der damaligen Tschechoslowakischen Republik geborenen Regisseurs beeinflussen bis heute die Auswahl seiner Projekte. Sein Faible für freiheitsliebende Nonkonformisten, die gegen das System aufbegehren, entspringt direkt den Gräueln des Nationalsozialismus, der ihm beide Eltern raubte, und der Enge des kommunistischen Ostblocks.

Die Proben einer Oper, die Miloš Forman gemeinsam mit seinen Söhnen 2007 in Prag inszenierte, bilden den erzählerischen Rahmen. Von hier aus schreitet der Porträtierte die Stationen seiner Kindheit und Jugend noch einmal ab, bevor er seine Karriere Revue passieren lässt. Filmausschnitte unterfüttern seine Gedanken. Ab und an schneidet Šmídmajer assoziativ historische Aufnahmen gegen. Nicht selten gewährt Forman auch Einblick in sein Privatleben, wenn Šmídmajer den berühmten Regisseur zu Hause in den USA besucht oder zum Essen mit Freunden begleitet. Auf biografisches Archivmaterial verzichtet der Dokumentarfilm größtenteils, lässt den Porträtierten stattdessen an Originalschauplätzen in seinen Erinnerungen schwelgen.

Die formal recht durchwachsene Doku lebt in erster Linie von ihrem Protagonisten. Dass auch andere Hollywoodgrößen zu Wort kommen wie F. Murray Abraham, der den Salieri in Formans "Amadeus" (1984) spielte, oder Michael Douglas, der "Einer flog über das Kuckucksnest" (1975) produzierte und eine Laudatio auf den Regisseur hält, scheint mehr den Konventionen der Gattung geschuldet als inhaltlich zwingend notwendig. Mehr als die üblichen wohlmeinenden Floskeln kommen in den Interviews nicht herum. Forman ist hingegen auch vor der Kamera ein begnadeter Erzähler.

Seine Anekdoten sind mal witzig, mal erschütternd, oft berührend und machen "Miloš Forman – What Doesn't Kill You" erst richtig sehenswert. Im Gegensatz zu manch anderem Künstlerporträt hat das Publikum hier jederzeit das Gefühl, dem Prominenten tatsächlich näherzukommen. Trotz aller Schicksalsschläge und Erfolge ist der Regisseur mit Vorliebe für Zigarren erstaunlich bodenständig geblieben. Statt sich selbst auf die Schulter zu klopfen, analysiert er seine Filme in der Rückschau gleichermaßen klug, kritisch und humorvoll und gewährt manch aufschlussreichen Einblick in gescheiterte Projekte. Seine goldenen Statuetten stehen in seinem Landhaus nicht an prominenter Stelle, sondern beinahe schon versteckt auf einem Regal in einer Arbeitsecke. Und auch hierzu hat Forman eine köstliche Anekdote parat.

Fazit: Formal eher durchwachsen überzeugt "Miloš Forman – What Doesn't Kill You" durch seinen Protagonisten, der auch vor der Kamera ein begnadeter Geschichtenerzähler ist. Ein Dokumentarfilm nicht nur für Fans des porträtierten Regisseurs.




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