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Das Dschungelbuch
Das Dschungelbuch
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: The Jungle Book (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Probier’s mal mit Gemütlichkeit" – in der Originalversion "The Bare Necessities" – schallt es durch den Disney-Klassiker "Das Dschungelbuch" von 1967, der Zuschauer aller Altersklassen begeistert hat. Auch in Jon Favreaus Neuinterpretation erklingt der eingängige Song, hebt sich hier aber spürbar von der Grundstimmung ab. Während der Zeichentrickfilm eine beschwingte Abenteuergeschichte erzählt, knüpft der "Iron Man"-Regisseur in seiner Realfilm-Adaption deutlicher an den eher düsteren Tonfall aus Rudyard Kiplings Urwalderzählungen an, die beiden Werken als Vorlage dienten.

Der Dschungel ist ein aufregender Ort, an dem sich das Findelkind Mogli (Neel Sethi) wilde Rennen mit den Welpen seines Wolfsrudels liefert. Und gleichzeitig ein bedrohlich-undurchschaubarer Naturraum, in dem der finstere Tiger Shir Khan (Originalstimme: Idris Elba/deutsche Stimme: Ben Becker) keine Menschen duldet. Schon bei seinem ersten Auftritt verbreitet er Angst und Schrecken. Besonders bedrohlich wirkt die Raubkatze in der Original-Fassung, wo Idris Elba dem Tiger eine erstaunlich furchteinflößende Präsenz verleiht. Für ganz kleine Kinder ist "The Jungle Book" eher nicht geeignet. Auch, weil mit King Louie (Christopher Walken/Christian Berkel) zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer unberechenbarer Antagonist die Bühne betritt, der Mogli in einer gruseligen Sequenz um den Finger zu wickeln versucht.

Mehrfach setzt Favreau auf spannungsgeladene Actionmomente und verleiht seinem Dschungelabenteuer damit eine Dynamik, die keinen Leerlauf aufkommen lässt. Humorvolle Begebenheiten schieben sich hier und da in den bekannten, an manchen Stellen leicht abgewandelten Handlungsverlauf und lockern die Reise durch das wild wuchernde Dickicht auf. Wie nicht anders zu erwarten, kann sich dabei vor allem der Bär Balu (Bill Murray/Armin Rohde) hervortun, der Mogli zunächst recht selbstsüchtig für seine Zwecke einspannt, dann aber ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem Menschenjungen aufbaut.

Staunen kann man nur über die atemberaubende Optik des Films, die beweist, dass eine Computerwelt nicht zwangsläufig artifiziell wirken muss. Obwohl der Dschungel und die Tiere aus dem Rechner stammen, hat man zumeist das Gefühl, echte Urwaldbilder und -bewohner zu bestaunen. Jungdarsteller Neel Sethi, der mit "The Jungle Book" sein Leinwanddebüt feiert, gelingt die Interaktion mit der animierten Umgebung überraschend gut, selbst wenn es schauspielerisch noch Luft nach oben gibt. Da sich nur selten Irritationsmomente einschleichen, in denen die Künstlichkeit des Settings aufblitzt, fällt man aus der Geschichte nicht heraus. Bei aller Begeisterung über die technischen Glanzleistungen ist jedoch nicht zu übersehen, dass es dem Action-Abenteuer bisweilen an emotionalem Tiefgang fehlt. Etwas hingehuscht erscheint zudem der Auftritt der Schlange Kaa (Scarlett Johansson/Jessica Schwarz), was durchaus verwundern muss, da Favreau laut Presseheft eine der intensivsten Erinnerungen an den Zeichentrickfilm von 1967 mit der listigen Python verbindet.

Fazit: Visuell berauschend, rasant inszeniert und besonders in der Originalversion mit tollen Sprechern besetzt – auch wenn dem Film etwas mehr Herz nicht geschadet hätte, bietet "The Jungle Book" abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung. Kleine Kinder dürfte die düstere Grundstimmung allerdings überfordern.




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