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Verführt und Verlassen
Verführt und Verlassen
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Verführt und Verlassen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie tickt die Traumfabrik Hollywood hinter den Kulissen wirklich? Welche Mechanismen verlaufen im Hintergrund und auf was kommt es an, wenn man sich dort durchsetzen will? Zwei der zentralen Fragen, denen sich der eigenwillige Regisseur James Toback in seinem neuesten Film, dem semi-dokumentarischen Film-Projekt "Verführt und verlassen", widmet. Antworten will Toback anhand eines Fake-Filmprojekts bekommen, für das er sich auf die Suche nach Financiers begibt. Diese sucht er aber nicht irgendwo, sondern an einem DER Orte im Film-Biz schlechthin, an dem sie alle zusammenkommen: Geldgeber, Regisseure, Schauspieler, Produzenten: bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Im Jahre 2012 machte er sich gemeinsam mit seinem Freund Alec Baldwin - in den späten 80er und kompletten 90er-Jahren selbst ein gefragter Darsteller und Kassenmagnet in der Traumfabrik - auf den Weg an die südfranzösische Côte d’Azur. Toback und Baldwin versuchten vor laufender Kamera, für ihren Fake-Film "Der letzte Tango in Tikrit" das nötige Budget aufzutreiben und bei der Gelegenheit auch gleich eine hochkarätige Besetzung zu rekrutieren.

"Verführt und verlassen" reiht sich ein in die Riege der abseitigen und verschrobenen, dem Arthouse-Kino verpflichteten Filme und Projekte des 60-jährigen Regisseurs und Drehbuchautoren James Toback, der vor allem für sein Ensemble-Drama "Black and White" (1999) und die Komödie "Harvard Man" (2001) bekannt ist. Wie in den meisten seiner Filme schneidet er hochsensible Themen und Inhalte an, hinterfragt kritisch und versucht verdeckte, den meisten Menschen verborgene Abläufe und Vorgänge zu durchleuchten. So auch in "Verführt und Verlassen", in dem er sich u.a. dem Aspekt widmet, was man als Filmemacher an Anstrengungen unternehmen muss, um - als bekannter und renommierter Regisseur wohl gemerkt - ein eigenes Filmprojekt realisieren zu können, sprich: um das nötige Kleingeld aufzutreiben.

Es gehört viel Mut dazu, sich überhaupt dieses schwierigen Themas anzunehmen und die Verantwortlichen in Cannes dann sogar direkt damit zu konfrontieren und auf diese selbstbewusst zuzugehen. Allein hierfür gebührt Baldwin und Toback Respekt. Auch schaffen sie es, namhafte Filmschaffende - Regisseure und Schauspieler ebenso wie Einkäufer und Studiobosse - zu teils skurrilen und unfassbaren ("Beim Filmemachen geht es zu 95% Prozent darum, Geld aufzutreiben" oder "Beim Filmemachen ist für mich der Profit das Wichtigste"), teils belanglosen und unwichtigen Äußerungen zu bringen, von Bernardo Bertolucci und Martin Scorsese über Diane Kruger bis zu Ryan Gosling.

Die Schwierigkeit des Films besteht darin, dass die Befragten zwar zu weiten Teilen durchaus spannende Äußerungen von sich geben, man als Zuschauer aber einfach nicht abschätzen und mit Gewissheit sagen kann, ob die Interviews echt und authentisch sind oder ob alles nur ein großer Fake ist. "Verführt und verlassen" kann keine klare Trennlinie zwischen Realität und Fiktion ziehen, hier verschwimmen die Grenzen. Die Frage, ob die Gesprächspartner und Interviewten nicht im Vorfeld genau vorgebeben bekamen, was sie zu sagen haben, stellt sich so fast die ganze Zeit über und lässt das in jedem Fall ambitionierte Projekt, der scheinbar perfekten Glitzerwelt den Spiegel vorzuhalten, ein wenig fragwürdig erscheinen.

Fazit: Skurrile Einblicke in die Welt der Schönen und Reichen mit ernüchternden Äußerungen zahlreicher namhafter Filmschaffender. Ob jedoch alles nicht nur ein großer Fake ist, erschließt sich dem Zuschauer bis zuletzt leider nicht.





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