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Väter und Töchter - Ein ganzes Leben
Väter und Töchter - Ein ganzes Leben
© One Filmverleih

Kritik: Väter und Töchter - Ein ganzes Leben (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dass engagierte Darstellerleistungen oft nicht ausreichen, um aus einem Film ein fesselndes Kinoerlebnis zu machen, demonstriert das Melodrama "Väter und Töchter – Ein ganzes Leben", die vierte englischsprachige Regiearbeit des Italieners Gabriele Muccino. Internationale Bekanntheit erlangte der in Rom geborene Filmemacher mit seiner erbaulichen Aufsteigergeschichte "Das Streben nach Glück", die Will Smith eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" einbrachte. Eine sensible Darbietung gelingt in Muccinos neuem Werk auch Russell Crowe, der den verwitweten und von Krampfanfällen geplagten Schriftsteller Jake Davis mit einer überraschenden Zärtlichkeit ausstattet. Unübersehbar in den Momenten, die ihn mit seiner kleinen Tochter Katie (Kylie Rogers) zeigen. Der Hollywood-Star und die Jungschauspielerin legen eine berührend-vertraute Interaktion an den Tag, die das innige Verhältnis ihrer Figuren absolut glaubhaft erscheinen lässt. Mit kleinen Abstrichen gilt dies auch für die langsam aufkeimende Liebesbeziehung, die Amanda Seyfried und Aaron Paul auf der zweiten, 25 Jahre später angesiedelten Handlungsebene vermitteln.

An den Hauptdarstellern liegt es sicher nicht, dass "Väter und Töchter" den Zuschauer trotz großer Gefühlswallungen zu selten emotional involviert. Verantwortlich sind vielmehr der Regisseur, der schon zu Beginn den Tod von Jakes Ehefrau und die anschließende Trauer des Schriftstellers und seiner Tochter überaus plakativ in Szene setzt, und Drehbuchautor Brad Desch, dessen Debütskript 2012 aus unverständlichen Gründen auf der sogenannten Black List stand, einer alljährlichen Zusammenstellung der vielversprechendsten, bislang unproduzierten Vorlagen Hollywoods. Mit Blick auf den fertigen Film kann es sich dabei eigentlich nur um ein Versehen handeln. Oder aber Deschs Elaborat wurde im Entstehungsprozess auf dramatisch Weise verschlimmbessert.

Wie auch immer es sich zugetragen hat – das, was das Publikum auf der Leinwand zu sehen bekommt, strotzt aus dramaturgischer Sicht nur so vor billigen Klischees und Konventionen. Angefangen bei den eindimensionalen Nebenfiguren Elizabeth (Diane Kruger) und William (Bruce Greenwood) über den von ihnen losgetretenen Sorgerechtsstreit bis hin zum küchenpsychologischen Holzhammer, der im zweiten Erzählstrang immer wieder auf den Betrachter niedersaust. Auch wenn die Macher mit ihrer in der Zeit hin- und herspringenden Geschichte Tiefgang vorgaukeln, kommt das Gezeigte und Gesagte nie über Binsenweisheiten hinaus. Richtiggehend ärgerlich wird es, wenn Diane Kruger gegen Ende in einer peinlichen Szene proklamiert, dass Frauen im Gegensatz zu Männern nicht ohne Liebe leben könnten. Ein himmelschreiend dämlicher Kalenderspruch! Wie schmückendes Beiwerk wirkt der Nebenstrang, in dem die erwachsene Katie in ihrer Funktion als Sozialarbeiterin zu einem traumatisierten Mädchen Vertrauen aufbauen will, dabei aber von ihrer Vorgesetzten (Octavia Spencer), einer weiteren Figur vom Reißbrett, immer wieder ausgebremst wird. Das Bemühen um Relevanz und echte Ergriffenheit blitzt allenfalls im Spiel des prominenten Ensembles auf, das jedoch einem Drehbuch nicht entfliehen kann, dem originelle Einfälle und subtile Zwischentöne fremd sind.

Fazit: Trotz zum Teil feinfühliger Darstellerleistungen bleibt "Väter und Töchter – Ein ganzes Leben" ein banal-seifiges Melodrama mit Konflikten aus der Mottenkiste des Genres und dümmlich-unsympathischen Nebenfiguren.




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