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Lupu
Lupu
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Kritik: Lupu (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im Jahre 2008 gewann der rumänische Regisseur Bogdan Mustata mit "Ein schöner Tag zum Schwimmen" auf der Berlinale den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm. 2011 schrieb Mustata das Drehbuch für Catalin Mitulescus Drama "Loverboy". "Lupu" (zu Deutsch: Wolf) ist sein Lamgfilmdebüt als Regisseur. Er beschreibt dieses rätselhafte Drama treffend als dem Magischen Realismus zugehörig. Jener hat eine reiche Tradition in den Filmen Osteuropas und Russlands. Aber dem westlichen Betrachter mag bei "Lupu" als erstes eine gänzlich andere Referenz in den Sinn kommen. Obwohl das Drama von seiner visuellen Gestaltung her eine gänzlich andere Sprache spricht, erinnert vieles an "Lupu" an David Lynchs experimentelles Spielfilmdebüt "Eraserhead" (1976).

Dies beginnt bereits damit, dass Lupu mit seinen hoch aufgerichteten Haaren und seinem zumeist verlegen-desorientierten Blick fast wie eine jüngere Version des Protagonisten in "Eraserhead" wirkt. Auch inhaltlich sind diese beiden Filme stark verwandt. Schilderte "Eraserhead" das Trauma einer sehr ungewöhnlichen Vaterschaft, ist in "Lupu" der Sohn traumatisiert, da der Vater gestorben ist. Beide Protagonisten sind sehr sensible und verträumte Charaktere, die aus einem starken Gefühl der Überforderung heraus anfangen zu fantasieren und zu halluzinieren. Doch sind es in "Eraserhead" bizarre Angstfantasien, die den Protagonisten unablässig verfolgen, träumt sich Lupu sein tristes Leben bunt. Aber auch in seine Tagträume mischen sich verdrängte Ängste und bizarre Fantasien hinein.

In beiden Fällen ist das Ergebnis ein sehr atmosphärisches Psychodrama, in dem sich die Traumwelt des Protagonisten immer mehr und auf immer wenig durchschaubare Weise mit dessen Alltagsrealität vermischt. Doch während Lynch mit harten Schwarzweißkontrasten arbeitet, taucht Mustata die Szenerie in ein warmes-mystisches Licht. Beiden Filmen gemeinsam ist auch die starke Präsenz ihrer Tonspur. In "Lupu" ist es insbesondere der seltsame Töne von sich gebende Fahrstuhl, der wenig Vertrauen erweckt. Allerdings muss klar gesagt werden, dass "Lupu" wesentlich dezenter als "Eraserhead" ist und auch künstlerisch nicht wirklich in der selben Liga spielt. Aber ein sehr solides Debüt ist der hochinteressante Film allemal.

Fazit: Das Psychodrama "Lupu" ist ein sehr ruhiger Vertreter des Magischen Realismus und eine Art von "Eraserhead"-Light, sprich ein sehr ungewöhnlicher und interessanter Beitrag aus Rumänien.





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