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Kritik: The Walk (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"The Walk" ist nach der oscarprämierten Dokumentation "Man On Wire" (2008) bereits die zweite Verfilmung der unglaublich anmutenden wahren Geschichte von Philippe Petit und dessen Balancieren auf einem ungesicherten Drahtseil in einer schwindelerregenden Höhe von 417 Metern. Mt Robert Zemecki ("Zurück in die Zukunft 1-3", "Forrest Gump", "Contact") als Regisseur ist dies eine absolut hollywoodgerechte Version der Geschichte mit einem hohen Wohlfühlfaktor. Die Art, wie Joseph Gordon-Levitt ("Inception") zu Beginn von einem Ohr bis zum anderen grinsend und mit übertriebenen französischen Akzent von der Spitze der Freiheitsstatue aus als Philippe Petit betont locker und flockig in die Geschichte einführt, lässt zunächst Schlimmes befürchten.

Es folgt ein Rückblick in ein hippieskes Bilderbuchparis zu Beginn der 70er-Jahre, bei dem Petit als erstes während einer rasanten Fahrt auf einem Einrad durch die Straßen der Seine-Metropole einem in einem Straßencafé sitzendem Liebespärchen ein Croissant vom Teller klaut. Mit anderen Worten: Hier wird ein Frankreichbild zelebriert, wie es wahrscheinlich Farmer John aus Kentucky hat. Man kann aber auch sagen, dass "The Walk" eine märchenhaft anmutende Geschichte auch tatsächlich in der Gestalt eines modernen Märchens erzählt. In jedem Fall beginnt das Geschehen spätestens dann richtig zu gefallen, wenn die Handlung von der anfänglichen künstlich hoch gebauschten Rasanz zu den sich tatsächlich immer mehr überschlagenden Ereignissen der Vorbereitungen auf das große Abenteuer wechselt.

Vom Fotografen, der seine Heldentat für die Geschichte festhalten soll, über einen Büroangestellten, der den verrückten Franzosen Zugang zum WTC verschafft, bis hin zu Assistenten, die helfen das Seil aufzuspannen versammelt Philippe Petit eine ganze Crew um sich, die er mit seinem grenzenlosen Enthusiasmus und Wagemut ansteckt. Ab da, wo sich die Handlung von dem süßlichen Bilderbuchparis ins raue New York verlagert, mutiert "The Walk" von einer Feel-Good-Komödie mit Ben Kingsley als Drahtseilartisten-Mentor Papa Rudy zu einem Thriller in der Tradition alter Caper-Movies.

Aber das Beste kommt hier in der Tat zum Schluss, wenn Philippe Petit das in 417 Meter Höhe aufgespannte Seil besteigt. Das Spektakel, dass jetzt folgt, ist der eindringlichste Einsatz von 3D in einem Kinofilm seit "Gravity". Mag "the frog" Philippe Petit auch noch so locker sein. Der Zuschauer, der mit ihm in den 61 Meter breiten gähnenden Abgrund starrt, ist es ganz sicherlich nicht. Dieser Gang ist schlicht sensationell und auch "The Walk" ist ein pures Kino der Sensationen, welches den ursprünglichen Geist des Mediums als eine spektakuläre neue Jahrmarktsattraktion atmet. So, wie vor 100 Jahren die Zuschauer zusammengezuckt sind, wenn ihnen auf der Leinwand ein in einen Bahnhof einfahrender Zug entgegenkam, so winden wir uns heute zwischen Übelkeit und Ekstase dank 3D-Brillen auf unseren Kinosesseln. Anspruch sieht ganz gewiss anders aus, ist in diesem Fall jedoch auch absolut nicht nötig.

Fazit: Robert Zemecki inszeniert die wahre Geschichte, um den Franzosen Philippe Petit, der zwischen den Türmen des alten World Trade Centers balancierte, als ein modernes Märchen, das in einer bisher ungesehenen absolut spektakulären 3D-Orgie gipfelt.




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