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Kritik: Das Salz der Erde (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Gemeinsam mit Salgados Sohn, Juliano Ribeiro Salgado, drehte Wenders diese Dokumentation, die vor allem das Ziel verfolgt, Salgados Arbeit den nötigen Raum zukommen zu lassen: seinen zum Teil schwer zu ertragenden, erschütternden Bildern. Bei "Das Salz der Erde" geht es also weniger darum, ein chronologisch aufgebautes Porträt zu schaffen, das etwa der Frage nach dem Antrieb Salgados nachgeht. Auch erfährt der Zuschauer nicht allzu viel über die Person hinter dem Fotoreporter. "Das Salz der Erde" konzentriert sich fast völlig auf die oft kunstvollen, stets intensiven Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die auf der großen Leinwand eine besondere Kraft und Wucht ausstrahlen und vom Meister selber kommentiert werden. Darin liegt der besondere Reiz des Films, der mehr als Hommage an einen wegweisenden Fotografen und dessen Arbeit denn als informatives Porträt verstanden werden muss. Bei den Filmfestspielen von Cannes wurde der Film in diesem Jahr mit dem Spezialpreis der Sektion "Un Certain Regard" ausgezeichnet.

Sebastião Salgado gilt als "Meister der Sozialfotografie", der sich oft zur rechten Zeit am rechten Ort befand, auch wenn die Umstände zumeist tragisch waren. Seine zufällig gemachten Aufnahmen vom Attentat auf US-Präsident Reagan 1981 gingen ebenso um die Welt wie seine erschütternden, in Schwarz-Weiß gehaltenen Fotos von einigen der schlimmsten Menschheitskatastrophen der vergangenen Jahrzehnte: der Hungerkatastrophe in Äthiopien, den brennenden Ölfeldern im zweiten Golfkrieg, dem Genozid in Ruanda 1994 oder von den mittelalterlich anmutenden Arbeitsbedingungen in einer brasilianischen Goldmine, die er 1986 für eine Fotoreportage dokumentierte und zu den bekanntesten Arbeiten des studierten Ökonomen zählen.

"Das Salz der Erde" möchte keine mit Infos vollgestopfte Doku sein, die allzu sehr auf den biographischen Werdegang von Sebastião Salgado eingeht. Im Zentrum steht zuvorderst die Kunst Salgados, sprich: Wenders reduziert die filmischen Mittel auf ein Minimum und schenkt dem eindrucksvollen Lebenswerk des Fotografen die größte Aufmerksamkeit. Und das nicht zu Unrecht: auf der großen Leinwand entfalten die monumentalen Aufnahmen eine ungeheure Kraft. Durch die Darstellung auf der Kinoleinwand zeigen die Bilder noch deutlicher und viel detaillierter die jeweilige Situation bzw. das abgelichtete Ereignis. Der Clou des Films - und eine seiner größten Stärken - ist die Tatsache, dass der Fotograf selbst seine Bilder kommentieren und interessante Anekdoten zu den damaligen Rahmenbedingungen und der Entstehung zum Besten geben darf. Dies tut er auf eine sympathische, immer wieder beschwingte Art und Weise - trotz (oder gerade wegen) der tragischen Umstände.

Ein wenig schade ist, dass Wenders - seit Jahren ein glühender Verehrer - und sein Sohn bei der Annäherung an Salgado ein wenig die Objektivität vermissen lassen und nicht einmal den Anflug von Kritik oder kritischer Würdigung dulden (etwa Fragen nach dem Zweck dieser Gräuelbilder sowie nach der Authentizität von Kriegsfotos allgemein). Zumindest aber hätten die Macher ein paar wichtige Informationen mehr zur Person Salgados liefern oder ihn nach Aspekten wie seiner ganz persönlichen Motivation, sich immer wieder diesen Katastrophen auszusetzen, befragen können. Auch das Vater-Sohn-Verhältnis wird kaum näher untersucht und betrachtet, weshalb sich der Sinn der Beteiligung von Salgados Sohn an diesem Film, nicht wirklich erschließt. Der Zuschauer erfährt lediglich von der häufigen Abwesenheit von Salgado in Julianos Kindheit - ein Fakt, auf den man aufgrund der Fotografen-Tätigkeit des Vaters auch von selbst hätte kommen können, dafür alleine hätte es die Mitarbeit von Juliano Ribeiro Salgado an dem Film nicht wirklich gebraucht.

Fazit: Kunst- und kraftvolle Hommage an einen der wichtigsten Sozialfotografen der Welt, der ein wenig mehr Neutralität und sachliche Infos zur Person gut getan hätten.





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