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Wara no tate - Die Gejagten
Wara no tate - Die Gejagten
© Warner Bros.

Kritik: Wara no tate - Die Gejagten (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Quantität ist gleich Qualität. Jedenfalls könnte dies das Motto des japanischen Vielfilmers Takashi Miike sein, der seit 1991 bereits um die 90 Filme gedreht hat. Das Ergebnis dieser Arbeitswut ist keine lieblose Stangenware, sondern ein unglaublicher kreativer Ritt durch die unterschiedlichsten Genres. Von familienkompatibler Unterhaltung, bis zum hierzulande nur geschnitten erhältlichen Splatter-B-Movie ist alles dabei. Miike nimmt einfach jeden an ihn herangetragenen Auftrag an und erschafft auf diese Art überraschenderweise so manches Meisterwerk. So sprang Miike kurzfristig für einen anderen Regisseur bei der Verfilmung des Murakami-Romans "Audtion" ein. Das Ergebnis ist der 1999 in die Kinos gelangte gleichnamige Psycho-Schocker, der vielen als der beste Horrorfilm der gesamten 90er-Jahre gilt und der Takashi Miikes bis heute bekanntester Film überhaupt ist. Dabei war der hochstilisierte und sehr langsam anfangende, sich dann jedoch zu unglaublichen Gewaltausbrüchen steigernde "Audition" zu seiner Zeit eher eine rare Ausnahme im Werk des Regisseurs. Zuvor war Miike mit noch weit kruderen B-Movies wie dem Yakuza-Film "Fudoh: The New Generation" (1996) bekannt geworden, in dem bereits nach dem bloßen Öffnen einer Autotür eine gewaltige Blutfontäne einen Protagonisten überschwemmt.

Die letzten Jahre ist Takashi Miike deutlich ruhiger geworden, was jedoch nicht seinen nach wie vor alle Maßstäbe sprengenden Output betrifft. Doch zeichnet sich inzwischen deutlich die Tendenz ab, dass der einstige junge Wilde des japanischen Kinos sich mehr und mehr dem Mainstream zuwendet. So schafft es nach dem Horrorfilm "The Call" im Jahre 2005 jetzt mit dem Action-Thriller "Wara no tate – Die Gejagten" sogar erneut ein Miike-Film in die deutschen Kinos. Der von Warner koproduzierte Thriller ist eine Großproduktion, die sich keineswegs vor ähnlichen Action-Thrillern aus Hollywood verstecken muss. Der von Miike souverän gefilmte Thriller ist jedoch nur optisch von einer für Mainstream-Produktionen typischen Glätte gekennzeichnet. Direkt unter der Oberfläche genretypischer Bilder von explodierenden Tanklastern, krachenden Autos und von Kugeln zerfetzten und in ihrem eigenen Blut badenden Körpern, tun sich gleich anarchische Abgründe auf. - Wie im asiatischen Kino des Öfteren zu sehen, verzichtet "Wara no tate" auf eine in Hollywood allgegenwärtige Schwarzweißzeichnung zugunsten komplexer moralischer Grauzonen.

"Wara no tate" verbindet einen recht gradlinigen Actionplot mit schwierigen moralischen Fragestellungen. Ist es legitim einen sadistischen Mörder zu ermorden? Oder ist es auf der anderen Seite sinnvoll, einen sicher zum Tode Verurteilten unter dem Einsatz des eigenen Lebens gegen Attentäter zu verteidigen? Die persönliche Beantwortung solcher Fragen wird umso schwieriger, als der von Tatsuya Fujiwara gespielte Mörder Kiyomaru weder ein heimlicher Sympathieträger, noch der typische, aus anderen Filmen bekannte, abgebrühte Psychopath ist. Dieser Kinderschänder und Killer ist ein Weichling, der selbst fast noch wie ein Kind aussieht. Kiyomaru winselt mal unterwürfig wie ein Hund um Gnade, provoziert seine Beschützer dann wieder rein aus Spaß bis zur Weißglut und begeht dann wieder Taten äußerster Unverfrorenheit. Wenn er doch einmal Reue zeigt, dann nur deshalb, weil er angesichts des Todes bedauert, zuvor nicht noch mehr Schandtaten begangen zu haben. Das ist so hochbrisant, wie nihilistisch und somit regt dieser Film den Zuschauer weit mehr, als die meisten anderen Action-Kracher, zum Nachdenken an. Nur will die Mischung aus Action-Thriller und moralisierendem Drama letzten Endes nicht wirklich aufgehen. Immer wieder bremsen die langen Dialogpassagen den Handlungsfluss. Umgekehrt konterkarieren die immer wieder eingestreuten recht derben Gewaltausbrüche die Glaubwürdigkeit des behaupteten kritischen Anliegens.

Fazit: Takashi Miikes neuester Film "Wara no tate – Die Gejagten" ist eine Mischung aus einem glatten, aber dabei guten Action-Thriller und aus einem Drama mit moralischen Tiefgang. Leider geht der recht eigene Mix nur bedingt auf, da diese beiden doch sehr verschiedenen Elemente sich oft gegenseitig behindern.





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