oder

Ewige Jugend (2015)

La giovinezza

Bildgewaltige, schwärmerische Lebensbilanz zweier alter Männer in einem Hotel in den Alpen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 8 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der Komponist und Dirigent Fred Ballinger (Michael Caine) hat sich zur Ruhe gesetzt und genießt den Sommer in einem Wellnesshotel in den Schweizer Alpen. Auch sein alter Freund, der Filmregisseur Mick Boyle (Harvey Keitel) residiert dort, um mit einer Gruppe junger Drehbuchautoren an seinem nächsten Filmprojekt zu feilen. Es soll sein künstlerisches Testament werden, wünscht sich Mick und sieht einmal mehr seine Lieblingsschauspielerin Brenda Morel (Jane Fonda) für die weibliche Hauptrolle vor. Doch die wird ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Freds Tochter und Managerin Lena (Rachel Weisz) ist auch dort und versinkt in Liebeskummer, weil Micks Sohn Julian (Ed Stoppard) sie wegen einer anderen verlässt. Sie konfrontiert Fred mit seiner Selbstsucht und dem Leid, das er ihrer Mutter zugefügt hat. Ein weiterer Hotelgast ist der junge Schauspieler Jimmy Tree (Paul Dano), der es nicht verwinden kann, dass er ausgerechnet mit der Rolle eines Roboters berühmt wurde. Ein Abgesandter der Queen stört Freds Ruhe, indem er beharrlich darum bittet, dass er seine "Simple Songs" auf Prinz Philips Geburtstagsfeier selbst dirigiert.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino ist erst 45 Jahre alt, aber er macht sich auffallend viele Gedanken über das Alter. Schon seinen Film "La Grande Bellezza" von 2013 widmete er dem Thema. Nun schickt er in "Ewige Jugend" den über 80-jährigen Schauspieler Michael Caine in das Davoser Hotel, das vor 1954 als Sanatorium für Tuberkulose-Kranke diente und Thomas Mann zu seinem "Zauberberg" inspirierte. In symbolisch verdichteten, zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierenden Bildern betrachtet der Film Gegensätze wie Zeitlosigkeit und Vergänglichkeit, philosophiert über Liebe, Elternschaft und das Filmemachen. Mit seiner Hommage an die mittlerweile etwas morbide Schönheit und Eleganz der Belle Epoque, die das edle Hotel repräsentiert, erinnert der Film auch an Wes Andersons "Grand Budapest Hotel". Aber Sorrentino gräbt viel tiefer, weil er nach dem Ausdruck für die Essenz des Lebens sucht.

So wie Sorrentino den Film ohne Michael Caine nicht machen wollte, so ist für den Regisseur Mick Boyle sein letztes Werk ohne Brenda Morel nicht denkbar. Für die Queen wiederum ist ein Konzert zu Ehren von Prinz Philip ohne Fred Ballinger keine Option, während dieser nicht dirigieren will, weil seine Frau die Lieder nicht mehr selbst singen kann. Sie lebt einsam und verlassen in einem Heim. Der Film handelt also von Leidenschaft, Obsession, gleichzeitig aber auch von Verdrängung und offenen emotionalen Rechnungen. Als Zuschauer muss man sich seinen eigenen Reim auf den assoziativen Bilderreigen zwischen Pool, Liegewiese und Speisesaal machen. Viele Szenen sind zwar offensichtlich, wie der köstliche Moment, als Fred und Mick die nackte Miss Universe beim Betreten des Pools anschmachten. Andere aber wirken in ihrer Surrealität rätselhafter, wie die überlappenden Monologe der vielen Schauspielerinnen aus Micks Filmen, die ihm plötzlich auf einer Almwiese begegnen.

Die suggestive Macht der Bilder ist durchgehend fesselnd. Und das, obwohl es sich lediglich um eine Kontemplation, ein zurückgelehntes Sinnieren zweier Männer zwischen Nachmittagsschlaf und medizinischen Anwendungen handelt. Überall blitzt der Hunger nach Leben wieder auf. Nicht nur Michael Caine steuert seinen leisen, selbstironischen Humor bei, auch Sorrentino selbst unterzieht seine Leidenschaft, das Filmemachen, in Gestalt von Mick Boyle einer Prüfung, die erheiternd und schmerzhaft zugleich ist. Dies ist großes Kino, das die visuelle Ausdruckskraft feiert und dabei immer wieder Momente beglückender Wahrheit entdeckt.

Fazit: Paolo Sorrentino lässt seine Hauptdarsteller Michael Caine und Harvey Keitel in einem aus der Zeit gefallenen Alpenhotel über das Leben, die Liebe und die Kunst philosophieren. Mit seiner eleganten Bilderpracht zwischen Realität und Traum bietet der Film großes Kino, das die Vorstellungskraft feiert und seine Erkenntnisse auf sinnlichem Wege bezieht.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollDie Kunst und das Altern sind die beiden Hauptthemen dieses Films, die wie in einer Sinfonie immer wieder variiert und gegeneinander gesetzt werden. Zwei alte Künstler und Freunde machen gemeinsam eine Kur in einem edlen Schweizer Hotelresort, das [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Italien, Frankreich, Schweiz, Großbritannien
Jahr: 2015
Genre: Drama
Länge: 118 Minuten
Kinostart: 26.11.2015
Regie: Paolo Sorrentino
Darsteller: Michael Caine als Fred Ballinger, Harvey Keitel als Mick Boyle, Rachel Weisz als Lena Ballinger
Verleih: Central Film, Wild Bunch

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